Einsame Herzen - #MikroHerz

Einsame Herzen - #MikroHerz

Einsame Herzen - #MikroHerz

Das Kalenderblatt zeigt den 14. Februar. Auch heute sitze ich auf seiner Bettkante und lausche dem beruhigenden Geräusch des EKGs, welches mir zeigt, dass sein Herz schlägt.

„Keine Ahnung, warum ich hier bin“, spreche ich zu dem schlafenden Fremden, dessen Augen in meiner Vorstellung frühlingsgrün sind. Bei ihm sind meine Worte sicher.

Versehentlich bin ich bei einem Krankenhausbesuch in sein Zimmer gestolpert. Wird er je wieder aufwachen? Niemand weiß es. Niemand wartet auf ihn.

„Vielleicht ist es, weil ich mich auch häufig einsam fühle.“ Verärgert wische ich eine verräterische Träne von meiner Wange. Meine verrückte Großfamilie bedeutet mir Alles, und doch fühle ich mich manchmal wie ein Regentropfen, der ins Meer fällt und sich in den Wassermassen verliert.

Eine Weile genieße ich seine tröstliche Nähe.

„Zusammen ist man weniger allein“, erklingt aus dem Nichts eine schwache Stimme, die mir sofort ebenso vertraut ist, wie das Schweigen, das uns gewöhnlich umgibt.

Meine Atmung setzt für eine Schrecksekunde aus, dann hebe ich meinen Kopf.

Seine Augen sind nach wie vor geschlossen, aber das Leben ist in sein Gesicht zurückgekehrt. Und es steht ihm.

Plötzlich fühle ich mich verunsichert, seltsam ertappt. Wie ein Eindringling, der nicht hierher gehört.

„Ich hole einen Arzt!“, rufe ich und springe fluchtartig auf. Doch ich werde festgehalten.

„Bitte bleib!“, flüstert er und verschränkt blind seine Finger mit meinen, als wären unsere Hände zwei zusammengehörige Puzzleteile.

Auf einmal fühle ich mich so ungewohnt vollständig, und als er seine Augen öffnet, schlägt mein Herz wie noch nie. Sie sind frühlingsgrün.