TEIL I: Die (un)erwünschte Begegnung

Als die Tagträumerin den Traumfänger fing #newpipertalent

TEIL I: Die (un)erwünschte Begegnung

Gelangweilt sitzt Colin Venryk auf seinem unbequemen Stuhl und sieht sich das gefühlt tausendste Vorsprechen an diesem Tag an. Dabei kritzelt er teilnahmslos etwas auf seinen Notizblock, der vor ihm liegt und versucht nicht gerade erfolgreich ein Gähnen zu unterdrücken. Irgendwann hebt er seine Hand und signalisiert der Bewerberin – ihren Namen hat er schon längst wieder vergessen – den endlos langen Monolog zu unterbrechen.
„Ich denke, wir haben genug gehört. Vielen Dank. Sie werden in den nächsten Tagen von uns hören.“
Sichtlich verunsichert dadurch, dass sie unterbrochen wurde, macht sie sich auf den Weg zur Tür. Als sie diese hinter sich geschlossen hat, schaut Alex, der direkt neben Colin sitzt, ihn stirnrunzelnd an.
„Ich denke, du solltest in Zukunft etwas freundlicher zu unseren Vorsprechkandidaten sein. Schließlich warst du derjenige, der dieses offenes Casting vorgeschlagen hat.“
Colin stöhnt.
„Ja, und sollte ich jemals wieder auf so eine schwachsinnige Idee kommen, dann bitte halte mich in Zukunft von so etwas ab. Wir sitzen hier schon fast den ganzen Tag und dürfen uns die größten Möchtegernschauspieler und –schauspielerinnen anhören. Diese Blondine gerade eben war einfach nur grottenschlecht, anders kann man es nicht ausdrücken und ich habe nicht vor meine Zeit mit solchen Leuten zu verschwenden. Ich bin schon froh, dass wir wenigstens einige gute Leute bei den Castings für unsere Hauptrollen dabeihatten. Wir haben nur noch diese eine relativ wichtige Nebenrolle zu besetzen und bis jetzt hatten wir nicht eine gescheite Kandidatin dafür!“
 „Du hast ja Recht, aber versuch bitte trotzdem mit deiner Laune nicht noch unsere 21 letzten Bewerberinnen von Anfang an zu vergraulen, sonst haben wir gar keine Chance.“
Colin grummelt noch eine Weile weiter in seiner schlechten Laune dahin, ist jedoch insgeheim froh darüber, dass Alex Drubenkovic wieder einmal Teil seines professionellen Teams ist und so Colins aufbrausendes Temperament mit seiner Sanftmütigkeit ausgleichen kann. Die beiden hatten zusammen schon den ein oder anderen erfolgreichen Film produziert – Colin als Regisseur und Alex als Produzent. Auch diesmal sind sie auch wieder das Hauptgerüst für einen neuen Film und sie hoffen natürlich auf einen weiteren großen Erfolg. Mittlerweile sind die beiden auch nicht mehr nur Arbeitskollegen, sondern auch ziemlich gute Freunde und das trotz ihrer unterschiedlichen Charaktere. Colin ist impulsiv, leidenschaftlich und hat sich schon des Öfteren deswegen in ziemlich unangenehme Situationen gebracht. Alex hingegen durchdenkt alles eher dreimal, bevor er beginnt zu handeln und ist auch insgesamt eher ruhiger. Wahrscheinlich macht gerade diese Mischung die Qualität ihrer Filme aus.
Als auch der Rest der Crew Alex zustimmt, gibt Colin mit einem Augenrollen sein Versprechen netter zu den nächsten Kandidaten zu sein. Nach einer kleinen zierlichen Brünette, deren Stimme vor Aufregung zittert, einer weiteren Blondine, die offensichtlich mit ihren körperlichen Vorteile und der viel zu engen Kleidung punkten will, jedoch nicht das geringste bisschen schauspielerisches Talent zeigt und einer Frau mit Kurzhaarfrisur, die sich bei ihrem kurzen Text mindestens zehnmal verspricht, steht Colin auf und geht zur Tür.
„Ich hol mir nur kurz einen Kaffee und bin gleich wieder da. Die Nächste könnt ihr auch ohne mich beurteilen.“
Mit diesen Worten verschwindet er im Flur, in dem sich der einzige Kaffeeautomat befindet, den es in diesem Gebäude gibt und welcher eine schwarze Brühe mit kaffeeähnlichem Geschmack produziert. Nach einem Schluck verzieht Colin angewidert das Gesicht und schnappt sich noch zwei Zuckerbeutel, bevor er sich wieder auf den Weg zum Castingraum macht. Während er den Raum betritt, ist er noch dabei gedankenverloren den Zucker umzurühren, sodass er zuerst gar nicht bemerkt, dass eine Bewerberin schon mitten in ihrem Vorsprechen ist. Kurz bevor er zu seinem Platz kommt, realisiert er sie dann doch. Sie ist mittelgroß und schlank. Jedoch nicht schlank im Sinne von an der Grenze zu magersüchtig, sondern im Sinne von sportlich, muskulös und an den richtigen Stellen kurvig. Dies wird auch noch unauffällig von ihrer Kleidung betont. Eine schwarze enge Jeans in Kombination zu einer dunkelgrünen Bluse und den gleichfarbigen hohen Schuhen. Die leicht rötlichen langen welligen Haare rahmen ihr zierliches Gesicht ein und bringen die strahlend grünen Augen zum Ausdruck. Wie um alles in der Welt hat sie es geschafft nach der Pubertät so unglaublich hübsch zu werden?! Das alles nimmt Colin in den paar Sekunden wahr, bevor sie sich komplett zu ihm umdreht und er zum ersten Mal seit Jahren wieder in die Augen blickt, die er immer gehofft hat noch einmal in seinem Leben zu sehen. Die Welt scheint für einen kleinen Augenblick vergessen zu haben, in welche Richtung sie sich nochmal dreht. Doch dann durchschneidet ihre klare vorwurfsvolle Stimme die Stille dieses Momentes und erinnert sie nur allzu grausam daran.
„Was machst du denn hier?!“

***

„Oh, Jassi! Ich werde das komplett in den Sand setzen! Ich fühle das… genau hier“
Dabei steche ich mir mit dem Zeigefinger in den Bauch, während ich energiegeladen durch den Vorbereitungsraum tigere.
„Ich habe kaum noch einen Satz von meinem Text im Kopf. Ich glaube, wenn ich da drin stehe, bekomme ich sowieso einen Herzinfarkt.“
Meine Konkurrenz sieht mich mittlerweile ziemlich komisch an, da ich bereits zum dritten Mal von meinem Stuhl aufspringe, mir die Haare raufe und wie eine Irre mit meinem Textheftchen durch den Raum laufe.
„Oder ich breche mir die Füße auf diesen Schuhen. Wenn sie nicht gesagt hätten, dass man hohe Schuhe anziehen müsse, dann hätte ich die Dinger auch nie angezogen.“
Man muss dazu sagen, dass ich auf meinen hohen Schuhen wirklich nicht besonders gut laufen kann und so eher durch den Raum eiere als laufe. Meine Freundin und WG-Mitbewohnerin Jasmin stoppt meine Selbstmitleidstirade und zieht mich erbarmungslos am Arm zu den Toiletten. Drinnen nimmt sie mir das Heft aus der Hand und legt die Hände auf meine Schulter.
„Milly, jetzt hör mir mal zu! Du schaffst das schon. Du kannst deinen Text, schließlich habe ich dich nicht umsonst die letzte Woche hundertmal abgehört. Und du hast an unserer Schule auch nicht umsonst zu den Besten gehört, also hör auf dich verrückt zu machen! Ich verstehe sowieso nicht, wieso du nicht für eine der Hauptrollen vorsprechen wolltest. Atme einmal tief durch und spritz dir noch ein bisschen Wasser ins Gesicht, das wird deiner Gesichtsfarbe durchaus guttun.“
Ich blicke Jasmin dankbar für ihre Motivation an. Unter anderen Umständen hätte ich sie durchaus wieder einmal darauf hingewiesen, dass ich den Spitznamen Milly nicht besonders mag, aber momentan habe ich ganz andere Sorgen. Langsam drehe ich mich zum Waschbecken. Atme einmal tief durch und denke an eine Übung aus der Schauspielschule.
„Ich schaffe das, ich schaffe das, ich schaffe das, ich schaffe das, ich schaffe das…“
Ich schaffe das nicht und klinge einfach nur wie eine dämliche Lokomotive. Missmutig betrachte ich mein Spiegelbild. Wie ich schon wieder aussehe! Meine unbändigen Haare haben sich wieder einmal leicht verselbstständigt und mein Gesicht, welches ich selber normalerweise als relativ durchschnittlich einstufe, hat die Farbe einer reifen Tomate angenommen. Ich unterdrücke ein Seufzen und kippe mir kaltes Wasser ins Gesicht. Was würde ich dafür geben, ein bisschen mehr wie die bildhübsche selbstbewusste Jasmin zu sein. Immer perfekt gestylt, Potenzial zum Modeln mit ihren langen dünnen Beinen und den langen blonden Haaren, selbstbewusst wie kein anderer und sich ihrer Fähigkeiten durchaus bewusst. Das ist Jasmin. Auch sie hat zu den Besten der renommierten Schauspielschule, die wir beide besucht haben, gehört. Und deswegen hat sie schon vor ein paar Stunden für eine der Hauptrollen vorgesprochen. Doch ich will erst einmal klein anfangen. Meine schreckliche Nervosität unter Kontrolle bekommen. Erfahrungen sammeln. Lernen auf hohen Schuhen zu gehen. Deswegen habe ich mich für eine mittelgroße Nebenrolle entschieden.
„Milly, glaub mir, es wird überhaupt nicht schlimm!“
„Mmh… Wenn du meinst…“
Jasmin nickt wohlwollend und verlässt mit mir im Schlepptau das Klo.
„Achja übrigens, du weißt, dass ich diesen Spitznamen hasse!“
„Ich weiß, Milly.“
Grinsend schüttel ich den Kopf. Jasmin ist einfach unbelehrbar. Die anderen Leute sehen uns abschätzend an, als wir den Vorbereitungssaal wieder betreten. Doch da geht auch schon die große Tür auf und ein Mann im Anzug kommt herein.
„Emily von Sonnenberg?“
„Ja, das bin ich“, stottere ich. Jasmin gibt mir einen leichten Schubs Richtung Tür und flüsterte mir noch kurz ins Ohr.
„Das mit den hohen Schuhen müssen wir aber wirklich noch ein bisschen üben.“
Doch ich habe keine Zeit über diesen kleinen Seitenhieb lange nachzudenken, denn schon bin ich im Flur angelangt, der zu den Castingräumen führt und folge dem Anzugmann, welcher mir die nächste Tür aufhält. Bei dieser Tür gibt es jedoch eine kleine Schwelle, die ich übersehe, prompt darüber stolpere und somit kopfüber in den Raum vor die gesammelte Castingmannschaft falle. Schnell rappele ich mich auf und versuche meinen Herzschlag wieder einigermaßen unter Kontrolle zu bringen. Gegen mein vermutlich abermals knallrotes Gesicht kann ich leider nicht allzu viel machen. Peinlich berührt blicke ich zu den vier Personen, die hinter einem langen Tisch sitzen. Eine Frau und drei Männer. Der fünfte Stuhl ist leer. Wieso müssen eigentlich immer mir solche Sachen passieren? Die Frau sieht mich mit einem leicht abwertenden Gesichtsausdruck an, die Männer haben eher ein dezentes Grinsen im Gesicht. Einer von ihnen unterbindet mit einer sehr angenehmen Stimme die peinliche Stille.
„Nun, ich bin auf jeden Fall froh, ein Mann zu sein und diese Todesdinger nicht tragen zu müssen.“
„Ich glaube, das hat sogar erstaunlicherweise gar nichts mit den Schuhen zu tun, das hätte mir auch so passieren können. Sowas passiert mir sogar recht oft“, stammele ich und verwünsche mich sofort dafür, dass ich manchmal einfach nicht die Klappe halten kann. Erst denken, dann reden. Diese Weisheit ignoriert mein Gehirn meistens jedoch grundsätzlich.
„Ich meine natürlich… also damit wollte ich jetzt nicht sagen, dass ich ungeschickt wäre… oder so, sondern einfach… dass ich manchmal einfach Absätze übersehe und…“
Energisch räuspere ich mich und versuche wieder die Kontrolle über meine Stimme zu bekommen.
„Können wir das alles, was ich gesagt habe einfach vergessen und ich fange einfach nochmal von vorne an?“
Himmel, nach diesem Rumgestottere ist das Vorsprechen für mich schon gelaufen, bevor es überhaupt beginnt. Das sagt zumindest das Gesicht der Frau hinter dem Tisch aus. Doch der Mann mit den schwarzen Haaren, der schon vorhin gesprochen hat, lächelt freundlich.
„Aber natürlich. Wie wäre es, wenn sie uns zuerst einmal verraten, wie sie heißen?“
„Emily. Emily von Sonnenberg.“
„Nun denn, Frau Sonnenberg, sie haben den Text, den sie vorsprechen müssen von uns ja erhalten. Wo wollen sie die zwei Statisten, die den Text ihrer Spielpartner ablesen werden, stehen haben?“
Ich bin erstaunt wie professionell dieser Mann meinen Fauxpas von vorhin überspielt und es überrascht mich auch wie viel Entscheidungsfreiheit ich besitze. Ich habe angenommen, dass schon alles im Voraus geplant wurde. Kurz denke ich daran, wie Jasmin immer zu mir gestanden hat, wenn wir geprobt haben und zeige den beiden Statisten ihre Positionen. Unsicher wie es weiter gehen soll, stelle ich mich wieder in die Mitte des Raumes mit dem Rücken zu einem der Statisten.
„Soll ich dann einfach anfangen?“
„Sehr gerne. Nur eine kurze Vorwarnung noch. Es könnte sein, dass unser sehr geehrter Herr Regisseur mitten während Ihres Vorsprechens reinplatzt. Bitte versuchen Sie das einfach zu ignorieren.“
Mit einem Nicken nehme ich das zur Kenntnis und denke, dass das eigentlich kein Problem sein soll, da Maya und Tanja in unserer Vierer-WG auch immer in Jasmins und meine Proben reingeplatzt waren. Ich hole einmal tief Luft und beginne. Genau wie Jasmin gesagt hat, beherrsche ich meinen Text mühelos und ich schlüpfe von der einen zur anderen Sekunde in die Haut einer selbstbewussten jungen Dame, die gerade versucht ihren Chef zu umwerben, damit er ihr den Gehaltsvorschuss gibt, den sie so dringend für die kleine Wohnung braucht, in der sie und ihr kleiner fünfjähriger Sohn leben. Nach circa fünf Minuten bin ich an dem Punkt angelangt, an dem der zweite Statist in der Rolle ihres Fast-Freundes dazustoßen soll. Ich drehe mich um und urplötzlich ist sie wieder da. Diese lästige Tatsache, die sich Realität nennt. Und zwar in der Form eines Menschen. Ich starre ihn eine gefühlte Ewigkeit an, wie er mit seinem Kaffeebecher lässig den Raum betritt. Ich bemerke, wie sich mein Unglauben in seinen Augen widerspiegelt, als sich unsere Blicke treffen. Und ich bekomme zu sehen, wie er seinen Kaffee über sein Hemd schüttet.
„Was machst du denn hier?!“
Meine Worte klingen genauso, wie sie auch im Skript beschrieben stehen. Fassungslos, erstaunt, schockiert. Nur, dass ich diesmal dafür meine schauspielerischen Talente nicht einzusetzen brauche. Denn der Regisseur ist kein anderer Mann, als der, den ich gehofft habe nie wieder in meinem ganzen Leben zu sehen und dem ich – wenn ich so ehrlich zu mir selbst bin, wie man es nur selten ist – immer gehoffte habe, irgendwo wieder zu begegnen.
„Ich… naja, der Chef hatte mich zu sich rufen lassen…“, antwortet der Statist. „Aber wie ich sehe, seid ihr beiden ja anscheinend beschäftigt.“
Ich habe mich zum Glück wieder einigermaßen gefangen und versuche die anderen Leute für meine letzten Sätze wieder auszublenden. Insbesondere Colin. Der Statist schickt sich an zu gehen.
„Warte!“
Energisch packe ich ihn am Arm und versuche ihn davon abzuhalten.
„Du arbeitest hier? Das wusste ich nicht. Ich kann dir das erklären…“
Doch der Statist schüttelt meine Hand ab und geht. Und damit ist meine Szene beendet und ich wende ich mich zu dem netten Mann von vorhin, ohne Colin auch nur eines Blickes zu würdigen. Dieser steht immer noch wie bestellt und nicht abgeholt im Türrahmen.
„Danke, Frau Sonnenberg. Das war sehr gut. Wir werden uns bei Ihnen in den nächsten Tagen melden!“
Kaum sind diese Worte ausgesprochen, drehe ich mich auch schon auf dem Absatz um und eile beziehungsweise eiere Richtung Ausgang. Als sich die Türen schon fast schon hinter mir geschlossen haben, höre ich ihn noch rufen.
„Emily, warte!“
Doch ich habe damals lange genug gewartet.

***

Die Castingcrew legt nach Emilys Auftritt eine offizielle Pipi-, Kaffee- beziehungsweise Raucherpause ein, sodass Colin nun mit Alex im kleinen Hinterhof steht.
„Kann ich mal dein Feuer haben?“, fragt Alex. Colin steckt sich seine eigene Kippe an und wirft ihm gedankenverloren das Feuerzeug zu.
„So, und jetzt erzähl mal. Was war das denn bitte grade eben?!“
Colin hat gewusst, dass so eine Frage auf ihn zukommt, aber noch hat er keinen klaren Gedanken fassen können und weiß nicht, was er Alex erzählen soll.
„Komm schon, Colin, es kommt schließlich nicht jeden Tag vor, dass man dich so perplex und unkoordiniert erlebt, dass du dir deinen eigenen Kaffee übers Hemd kippst.“
Alex schaut ihn mit einer hochgezogenen Augenbraue fragend an. Colin sieht an sich herab. Stimmt, der Kaffee, das hat er beinahe schon wieder trotz des nassen Hemdes vergessen.
„Keine Ahnung, ich fand sie einfach im Vergleich zu den anderen verdammt gut“, murmelt Colin und sieht genau, wie Alex ihm kein Wort glaubt.
„Ich fand sie echt gut!“, verteidigt er sich. „Findest du nicht auch, dass sie die Rolle bekommen sollte?“
„Du hast ja Recht, gut war sie auf jeden Fall. Und vom Aussehen braucht man gar nicht erst zu reden. Wobei ich sogar glaube, dass sie gar nicht weiß, wie gut sie aussieht. Aber ich bin mir nicht sicher, ob sie das hinbekommen würde. Ich glaube nicht, dass sie sich in dem Business zurechtfinden würde. Sie wirkt ziemlich schüchtern und war unglaublich nervös und ich glaube, dass ihr das im Hinblick auf den Film im Weg stehen würde. Du hättest sie mal sehen sollen, wie sie in den Raum reingestolpert ist.“
Ja, das klingt ganz nach der Emily, die Colin gekannt hat. Und er weiß auch ganz genau, wie viel Talent sie besitzt. Das kann er Alex jetzt natürlich schlecht erklären, trotzdem muss er ihn überzeugen.
„Ich glaube schon, dass sie das schafft. Im Film sieht man ja nichts von der Nervosität. Und außerdem braucht jeder am Anfang eine faire Chance, um sich beweisen zu können. Sonst gäbe es nur eine Hand voll berühmter Schauspieler.“
„Vielleicht. Aber du musst das natürlich auch mit den anderen absprechen. Cassandra schien nicht besonders viel von ihr zu halten.“
„Es interessiert mich nicht, was Cassandra denkt. Ich finde, wir sollten sie nehmen!“, unterbricht Colin Alex aufgebracht. Dieser sieht ihn lange nachdenklich an.
„Ich werde dich immer unterstützen. Aber du weißt schon, dass Cassandra ein Auge auf dich geworfen hat und du solltest es dir nicht allzu schnell mit ihr verscherzen.“
Ja, das weiß Colin allerdings und er versucht ein Seufzen zu unterdrücken, was Alex natürlich mitbekommt.
„Du kennst sie, oder?“, fragt er Colin vorsichtig. „Du hättest sonst nicht ihren Namen gekannt.“
„Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung, ob ich sie kenne“, erwidert Colin nur kryptisch, drückt seine Zigarette aus und macht sich auf den Weg ins Innere des Gebäudes. Alex verdreht die Augen.
„Hey Colin!“, ruft er ihm hinterher. „Vergiss nicht, dir noch ein anderes Hemd anzuziehen, bevor es weitergeht.“
Jetzt ist es an Colin die Augen zu verdrehen.