Prolog

Als die Tagträumerin den Traumfänger fing #newpipertalent

Prolog

„Wieso hast du eigentlich die Schauspielkarriere eingeschlagen? Ich will jetzt nicht dein Können anzweifeln, denn talentiert bist du auf jeden Fall, aber du hast ja letztens selber gesagt, dass es dir eigentlich keinen großen Spaß macht. Was ist aus deinem großen Traum geworden?“
Lange sieht sie ihm unentschlossen in die Augen und versucht die Situation abzuschätzen. Als sie erkennt, dass die Frage ehrlich gemeint ist, denkt sie über deren Antwort nach und wird traurig.
„Ich glaube, ich habe vergessen wie man träumt.“
„Unsinn!“, schnaubt ihr Gegenüber. „Träumen ist wie Fahrrad fahren – sowas verlernt man nicht einfach. Man kann höchstens aus der Übung kommen. Außerdem konntest du früher beim Tanzen sogar mit offenen Augen am helllichten Tag träumen. Das konnte selbst ein Blinder sehen.“
Sie will sich nicht rechtfertigen. Nicht vor ihm. Und erst recht nicht bei diesem Thema. Deswegen geht sie in die Offensive.
„Und was ist mit dir? Wenn ich damals Tagträumerin zu meinem Beruf machen wollte, dann wolltest du ein Traumfänger werden. Hast du nicht immer große Reden darüber geschwungen, dass du die Wünsche und Träume von den Menschen einfangen und auf Papier festhalten willst? Drehbuchautor – das wolltest du werden. Und jetzt schau, was aus dir geworden ist - rennst nur den Träumen von anderen Menschen hinterher. Also erzähl du mir nichts vom Träumen!“
Nachdenklich blickt er sie an, dann breitet sich jedoch ein Grinsen auf seinem Gesicht aus.
„Mit dir konnte man noch nie gut diskutieren, weißt du das? Du hast nämlich irgendwie immer Recht. Was hältst du denn davon, wenn wir gemeinsam wieder lernen zu träumen?“
Gespannt wartet er auf ihre Antwort. Doch sie springt wortlos auf, schnappt sich ihren Mantel und rauscht aus dem Restaurant. Schließlich war er der Grund, weswegen ihr Traum damals wie eine Seifenblase geplatzt war. Doch anscheinend weiß er davon nichts.