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#newpipertalent Haunted Love

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Bevor du zu lesen anfängst, noch ein paar Informationen. :)

-> Diese Geschichte ist ein New Adult Roman - es wurde also in manchen Szenen leichte Erotik mit eingebaut.

-> Ich werde vertreten durch: Autoren- und Projektagentur Gerd F. Rumler

-> Wenn dir die Geschichte gefällt, würde ich mich sehr freuen, wenn du mich beim Wettbewerb unterstützt und ein Follow dalässt. :)

-> So - und jetzt viel Spaß beim Lesen! :D



Playlist

Better Place – Rachel Platten
Perfect For You – Rachel Platten
Love Me Harder – Ariana Grance
Love Me Like You Do – Ellie Goulding
Say You Wont Let Go – James Arthur
Let It Go – Madilyn Bailey
I Knew You Were Trouble – Marilyn Bailey
I Need Your Love – Madilyn Bailey
Little Things – One Direction
Jar Of Hearts – Christina Perry
When I Was Your Man – Bruno Mars
Somewhere In Brooklyn – Bruno Mars
Just Like A Pill – P!nk
Happier – Ed Sheeran
What Makes You Beautiful – One Direction
Nothing Like Us – Justin Bieber
I Hate U, I Love U – Gnash
Dear Maria, Count Me In – All Time Low
Tonight – FM Static
Let Her Go – Passenger
I Can’t Fall In Love Without You – Zara Larsson
Praying – Kesha
Crazy – Daniela Andrade
Das Spiel – Kay One
Wiedersehen – Kay One
Love The Way You Lie – Eminem ft. Rihanna
Demons – Imagine Dragons






Prolog



Ich werde wach, als Mommy die Haustür öffnet. Es ist Chad. Er muss es sein, weil er Mommy jeden Abend besucht, wenn Daddy einen Film drehen muss und nicht zuhause ist.
Mommy hat mir erklärt, dass Chad dieselbe Medizin nehmen muss wie Mommy, und er sie deshalb besuchen kommt.
»Hast du alles bekommen?«, höre ich Mommy fragen und rolle mich auf die Seite, um mich an meinen Teddybären zu kuscheln.

Daddy hat mir und Logan denselben gekauft, aus dem großen Kaufhaus in der Stadt, als wir unser letztes Fußballspiel gewonnen haben. Ich frage mich, ob Logan seinen Teddybären auch bei sich im Bett hat.
»Ja«, antwortet Chad. Seine Stimme ist mir unheimlich. Ganz hoch und schrill, und wenn er lacht, bekomme ich Angst.
Meine kleinen Finger greifen nach der Superheldenflasche auf meinem Nachttisch, und ich will einen Schluck trinken, aber es ist kein Wasser mehr darin.
Mit den Füßen schiebe ich meine Bettdecke ans Ende der Matratze und setze mich in den Schneidersitz, während ich mit dem Finger den Superman auf der Flasche nachfahre.
Ich habe Durst, aber traue mich nicht, Mommy um Wasser zu fragen. Wenn Chad bei ihr ist, wird sie immer so komisch. Sie ist dann gemein und böse. Ich glaube, es liegt an ihrer Medizin, trotzdem mag ich nicht zu ihr gehen.

Aber ich habe Durst. Also schlüpfe ich aus dem Bett und tappe auf nackten Füßen durch mein Zimmer und laufe den dunklen Flur zum Salon entlang.

Ich höre Mommy laut lachen, als Chad etwas sagt. Bevor ich zu ihnen gehe, öffne ich die große Tür einen Spaltbreit und sehe nach, was Chad und Mommy machen.
Manchmal sind sie in Daddys und ihrem Schlafzimmer und geben ganz komische Laute von sich. Sie tun verbotene Dinge, das weiß ich. Aber als ich Mommy einmal gefragt habe, wieso sie das tut, hat sie mir mit ihrem Löffel, den sie für ihre Medizin braucht, ganz doll ins Gesicht geschlagen. Ich habe geweint, obwohl es mir peinlich war vor Chad. Aber es hat so sehr wehgetan.
Dann hat Mommy gesagt, wenn ich Daddy etwas von Chad erzähle, habe ich keine Mommy mehr.
Ich will nicht, dass ich keine Mommy mehr habe. Ich habe Mommy lieb, auch wenn sie böse ist, wenn Chad bei ihr ist und sie ihre Medizin nehmen.
Als ich die Tür ein Stück weiter öffne und in den Salon tappe, bemerken Mommy und Chad mich nicht. Sie legen gerade ihre Medizin auf ihre Löffel und pressen die Zitrone darüber aus. So ist die Medizin gesünder, sagt Mommy.

Meine Superheldenflasche rutscht mir aus der Hand, sie ist zu groß für meine kleinen Finger. Mommy und Chad sehen auf, als ich die Flasche vom Boden hebe und zu ihnen gehe.

»Du sollst schlafen!«, schreit Mommy mich an. Ihre laute Stimme erschreckt mich und ich zucke zusammen. Schnell zeige ich ihr meine Flasche, damit sie nicht noch lauter wird oder mir wehtut.

»Ich habe Durst«, sage ich leise. Chad nimmt seinen Löffel mit der Medizin und hält sein Feuerzeug darunter, damit das Pulver flüssig wird. Er hat es mir schon oft erklärt, dabei wollte ich lieber mit Logan Fußball spielen gehen.

»Warte bis morgen«, sagt Mommy nur. Ihre blonden Locken fliegen durch die Luft, als sie ihren Kopf wendet und eine Spritze von Chad entgegennimmt. Die braucht sie, um ihre Medizin zu nehmen.

»Aber ich habe jetzt Durst«, quengele ich. Mein Mund ist ganz trocken und ich will wieder ins Bett, deshalb soll Mommy mir schnell neues Wasser auffüllen.
Sie antwortet mir nicht, sondern zieht ihre Medizin auf die Spritze und tippt dann mit einem gelben, schmutzigen Fingernagel dagegen. Wenn Daddy nicht zuhause ist, dann macht Mommy sich nicht mehr sauber.
Chads Hand umfasst meinen Schlafanzug. Er tut mir weh, weil er so fest zieht, und plötzlich reißt der Stoff.
Tränen sammeln sich in meinen Augen, als ich mit den Fingern über die kaputte Stelle an meinem Schlafanzug fahre. Es war mein Lieblings-Schlafanzug, der mit den vielen Dinos.

Chad entschuldigt sich nicht. Daddy hat mir gesagt, wenn ich böse zu jemandem bin, muss ich mich entschuldigen. Aber Mommy und Chad tun es nie.
Er hält mir die Spritze vor die Nase und lacht. Ich bekomme Angst.

»Hier, Kleiner. Wenn du Durst hast, musst du das trinken. Dann geht es dir besser.«
Ich spüre die Tränen über meine Wange laufen, weil sie ganz warm sind. Als ich zu Mommy herübersehe, will ich, dass sie mir hilft, aber sie lacht nur und spritzt sich ihre Medizin. Ich frage mich, warum sie nicht mit Chad schimpft. Mit mir schimpft sie immer, wenn ich etwas von ihr kaputtmache.
Schnell laufe ich aus dem Salon, zurück in mein Zimmer, wo ich die leere Superheldenflasche zurück auf meinen Nachtschrank stelle.
Es dauert nicht lange, bis es plötzlich ganz laut wird auf dem Flur vor meinem Zimmer. Ich öffne meine Tür wieder, weil ich nachsehen will, und da sehe ich Chad, der sich laut lachend über den Boden rollt. Die Arme und Beine hat er von sich gestreckt.
Mommy gackert, während sie mit Chads und ihrer Medizintasche in mein Zimmer kommt und den Wandschrank öffnet. Sie holt meinen großen Teddy heraus, den Logans Daddy mir einmal zum Geburtstag geschenkt hat. Eines Tages hat Mommy den Bauch aufgeschnitten und gesagt, sie muss ihre Medizin darin verstecken.
Manchmal kommen böse Männer in Uniformen zu uns. Sie wollen aus mir herausquetschen, wo Mommys Versteck ist, aber ich sage nie etwas. Einer von ihnen ist sehr gemein und wenn Daddy nicht da ist, dann schüttelt er mich ganz doll. Trotzdem verrate ich ihm das Versteck nicht. Ich will nicht, dass ich keine Mommy mehr habe, auch wenn sie und Chad mir oft wehtun.
Aber sie kann ja nichts dafür. Es ist ihre Medizin, die das aus ihr macht. Eigentlich will sie nicht so sein, das weiß ich.
Chad krabbelt über den Boden meines Zimmers auf mich zu, ein gruseliges Grinsen im Gesicht. Ich gehe rückwärts, bis ich mit den Kniekehlen gegen mein Bett stoße.

»Deine Mommy und ich gehen jetzt schlafen, Kumpel«, sagt er und ich ekel mich vor ihm, weil er so stinkt. Chad nennt mich immer Kumpel, obwohl wir gar keine Freunde sind. Nur Logan ist mein Freund.
»Und da wirst du nicht stören, außer du willst sehen, was Erwachsenen Spaß macht.«
Er vergräbt seine Hand in meinem Haar und reißt ganz doll daran, so lange, bis ich weine.

»Mommy«, rufe ich, aber sie tut nichts, lacht nur ganz laut. Sie schraubt meine Flasche auf und kippt die Flüssigkeit aus ihrer braunen Glasflasche darein, und als sie mein Zimmer verlässt, lässt Chad endlich mein Haar los und geht mit ihr.
Meine Kopfhaut brennt und ich kann nicht aufhören zu weinen, zwinge mich aber dazu, leise zu sein. Ich will nicht, dass sie wiederkommen.
Als ich an meiner Flasche rieche, weiß ich, dass es kein Wasser ist. Die Flüssigkeit stinkt und ich bekomme Bauchweh.
Leise laufe ich zur Tür, drehe den Schlüssel im Schloss herum und kugele mich wieder im Bett ein. Ich kann nicht mehr schlafen, weil ich Angst vor Chad und Mommy habe.
Als ich ihre lauten Schreie aus dem Schlafzimmer höre, drücke ich mir die Hände auf die Ohren und wünsche mir vom lieben Gott, dass Daddy ganz schnell wiederkommt.








1.

Portugal hat ein Walross mit Elefantenschenkeln aus mir gemacht.

Ohne Witz. Zwar hätte ich mich schon vor meinem Auslandsjahr nicht als »dünn« bezeichnet, aber jetzt sprenge ich jeden Rahmen.

Das menschliche Teenagerwesen von zwanzig Jahren, das mich gegenüber aus dem Spiegelbild heraus anblinzelt, kann unmöglich ich sein.

Meine Jeans passt gerade noch so, der Knopf spannt jedoch schon gewaltig. Aber ich ertrage es, weil ich es einfach nicht über mich bringe, mir einzugestehen, dass ich wohl besser die Nummer größer aus dem Schrank holen sollte.

»So eine Scheiße«, murmele ich verzweifelt, kneife in meinen überquellenden Speck und seufze, beinahe den Tränen nahe. Nach der Inquisition meines gesamten Kleiderschrankes und der Aussortierung einiger Teile, in denen ich als lebendige Presswurst durch New York watscheln würde, entscheide ich mich schließlich für ein Kleid.

Heute ist der erste Tag im neuen Semester und ich würde mich zeigen müssen wie ein aufgehender Hefekloß im Speckmantel.

Meine Schweinchennase ist dabei auch nicht gerade hilfreich, sie unterstreicht meine neu gewonnenen Pfunde eher noch in ironischer Weise. Fast so, als will mich das Schicksal ernsthaft auslachen. Ein letztes Mal fahre ich mir seufzend durch meine hellblonde Mähne, ehe ich meinen Morgenmantel vom Boden hebe und über den Spiegel werfe.

Auf dem Nachttisch fängt mein Handy an zu vibrieren. Ich stolpere durchs Zimmer, bahne mir einen Weg durch die vielen Kleiderhäufchen auf dem Boden und falle schließlich über einen Stapel Schulbücher.

»Verdammt«, entfährt es mir, als ich mich, gerade noch so, mit den Händen an der Bettkante abstützen kann. Mein Handy landet in genau dem Moment in meiner Handfläche, als es sich, von der Vibration angetrieben, im perfekten Sturzflug mit Ziel Parkettboden befindet.

»Ja?« Oh man, ich höre mich an, als wäre ich gerade einen verdammten Marathon gerannt.

»Du lebst! Um Gottes Willen, Hazel! Ein Jahr warst du verschollen, alle Welt sucht nach dir!«

Lachend verdrehe ich die Augen, den Nacken an die Matratze gelehnt. »Grace. Das ist jetzt das dritte Mal seit gestern, dass du mich begrüßt, als wäre ich die Hauptperson in einer Criminal-Minds Folge.«

»Lass mir doch meinen Spaß.«

Seufzend hieve ich mich hoch, nur um mich wieder rücklings aufs Bett zu werfen. In einem perfekten Winkel lande ich natürlich auf meinem Rucksack, aus dessen geöffneten Reißverschluss die fette Kante meiner Hardcover-Ausgabe von Faust I ragt und mir schmerzvoll in die Rippen sticht. Ja, ich habe mich für das Seminar deutsche Literatur eingetragen. Nein, ich bin keine Streberin. Okay, doch, vielleicht ein bisschen. Ein bisschen sehr, wenn es nach Grace ginge.

»Geht nicht«, entgegne ich abgehackt, während ich meine Tasche hinter mir wegziehe und auf den Boden schleudere. Schmerzhaft reibe ich mir den Rücken. Hätte ich mir doch bloß die dünne Softcover Ausgabe von Reclam besorgt wie alle anderen auch. »Wir haben nämlich ein gewaltiges Problem.«

»Problem welchen Ausmaßes? Präziser bitte, beste Freundin.«

Geistesabwesend pule ich am Saum meines Quilts. »Sorry. Definitiv Stufe zehn. Notfall.«

Am anderen Ende der Leitung keucht Grace übertrieben schockiert auf. Ein Lächeln stiehlt sich auf mein Gesicht, als ich mir bildlich vorstelle, wie sie sich ans Herz fasst und theatralisch die Augen aufreißt. »Sag bitte, du hast dir da drüben kein Ebola oder so eingefangen.«

»Ebola ist Afrika, Grace. Ich war in Portugal.«

Grace schnalzt ungeduldig mit der Zunge. »Alles dasselbe. Nun sag schon.«

Mit einem dramatischen Seufzer, als müsste ich ihr davon berichten, dass mich eine schwere Krankheit erreicht hätte, kneife ich die Augen zusammen und verziehe das Gesicht. »Reis.«

Ein paar Sekunden herrscht Stille. Dann höre ich plötzlich etwas Scheppern.

»Pass doch auf! Ich hab dir tausendmal gesagt, dass ich das Mom erzähle!«, brüllt Grace.

»Was?«, frage ich verwirrt und setze mich auf. Was hat ihre Mom damit zu tun, wenn ich wie eine Wahnsinnige Reis in mich rein geschaufelt habe? Klar, sie ist etepetete und achtet penibel auf das perfekteste Aussehen, aber … das ist irgendwie creepy.

»Sorry, war nicht an dich. Oliver, der Idiot. Er hat seine Müslischale im Auto fallen gelassen. Überall Milch auf den verdammten Ledersitzen.«

»Ach so.«

Oliver ist Grace kleiner Bruder. Elf Jahre alt, übertrieben frech, verzogen und absolut unausstehlich. Gleichzusetzen mit diesem Teufelsbraten Dennis aus dem gleichnamigen Film.

Grace seufzt und ich höre, wie Oliver im Hintergrund immer noch flucht und seiner Schwester wie verrückt Beleidigungen an den Kopf wirft. »Okay, Haze. Reis. Wie viel?«

Verzweifelt stöhne ich auf und kneife mir passenderweise in die Schenkel.

»Viel zu viel! Die Portugiesen kennen scheinbar keine anderen Nahrungsmittel, kein Scherz! Jeden Tag Reis, stell dir das einfach mal vor! Die tun so, als wäre es himmlische und unverzichtbare Schokolade! Keine Mahlzeit geht da ohne Reis.«

»Verstanden, sie beten Reis an. Jetzt sag schon, wie viel hast du zugenommen?«

Anstatt zu antworten, grummele ich irgendwelche unpassenden Laute vor mir hin.

»Haze!«

»Na schön. Etwa acht Kilo oder so.«

Statt einer Antwort höre ich plötzlich ein ziemlich lautes Reifenquietschen, gefolgt von einer Hupe und mehreren unwirschen Fluchen von Grace.

»Alles okay?«, hake ich verwundert nach und hoffe, sie hat auf den unverhofften Schock nicht aus Versehen ein Auto angefahren.

»Elender… HIER IST RECHTS VOR LINKS, DU VERDAMMTER IDIOT! Kann ja wohl nicht… Bitte, was? Ich soll was? Na schön, du kleines Stinktier, dir werde ich… Haze? Sorry, muss auflegen. Sehen uns vor dem Business Gebäude!«

Dann höre ich nur noch das monotone Tuten aus dem Lautsprecher. Ich schmunzele und werfe mein Handy in den Rucksack, bevor ich ihn mir auf den Rücken hieve.

Wie schön es doch ist, wieder zuhause zu sein.

~~ Gefällt Dir Haunted Love bisher? Dann würde ich mich wirklich freuen, wenn Du einmal kurz auf Follow klickst! :) ~~

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