00- Counting Scars

Counting Scars

00- Counting Scars

Ich möchte noch einmal jeden darauf hinweisen, dass diese Geschichte fiktiv ist! Diese Geschichte soll das Selbstverletztendeverhalten nicht verherrlichen! Ich möchte niemanden hiermit triggern! Alle die solch ein Problem haben: Ihr könnt mich immer per PN erreichen, ich höre gerne zu!
Ich bitte JEDEN unter euch das Verhalten vom Protagonisten NICHT nachzuahmen geschweige denn für gut zu verheißen. Denn SVV ist eine schwerwiegende psychische Krankheit, die behandelbar ist. Also falls ihr auch nur den Anflug von einem Verlangen nach einem Schnitt o.a. verspürt: LASST EUCH HELFEN BEVOR ES ZU SPÄT IST.

Widmung:

An alle Menschen im schwersten Kampf gegen ihren schlimmsten Feind.
Sich selbst.


Wie schwer muss man innerlich verletzt sein, um sich selbst Schaden zu zufügen? Wie sehr muss etwas einen mitnehmen, um im Schmerz Frieden zu finden?

„Das ist dein Bett", sagt die schlanke Blondine neben mir und rückt ihre Brille hochnäsig zurecht. Ich stehe in einem sehr kleinen Zimmer mit einem Hochbett, dessen unteren Teil ich bewohnen muss bis ich achtzehn werde.
Meinen kleinen Koffer, der alles was ich bin beinhaltet, lasse neben mein Bett fallen und schaue mich in diesem kleinen Raum um. In ihm befinden sich das erwähnte Hochbett, zwei Schränke, ein Waschbecken, über welchem ein zersprungener Spiegel hängt.

„Du musst morgen um halb acht aufstehen. Um acht gibt es Frühstück und um zehn nach acht fährt der Bus zur Schule."

Ich nicke nur, denn ich rede so gut wie gar nicht mehr seit dem Tod meiner Eltern. Es ist ein sehr unglücklicher Unfall gewesen. Den Drang verbal aktiv zu werden, habe ich nicht mehr, denn es gibt nichts mehr worüber ich reden könnte. Alles erscheint so sinnlos, wenn man alleine auf der Erde ist und nichts als eine zerfressende Leere in sich als Bürde mitträgt.

„Dann lasse ich dich alleine", säuselt Mrs. Miller und dackelt auf ihren Absätzen aus dem Zimmer.

Nachdem sie den Raum verlässt, fühlt es sich an, als ob alles so erdrückend wäre. Als ob sich die Wände auf mich zu bewegen würden.
Wenn man alleine ist, dann spürt man die eiskalte Einsamkeit noch intensiver. Man nimmt wahr, wie sich ihre Krallen, um das eigene Herz schlingen und es erdrücken, bis davon vielleicht eine rohe Masse übrigbleibt.

So fühle ich mich gerade. Ich habe immer noch keinen Platz auf dieser Erde gefunden, nachdem mein alter mir brutal weggenommen wurde.

Mit einem Seufzen lasse ich mich auf das ausrangierte Bett fallen. Einzelne Federn stechen mir schmerzhaft in die obere Region meiner Beine und graben sich tief in mein wundes Fleisch. Meine blassen Hände lege ich in meinen Schoß, der in eine schwarze Jeans gezwängt wurde. Das Ziehen und Brennen macht sich plötzlich bemerkbar, als meine schlaksigen Finger über meine Oberschenkel fahren. Es kommt immer, wenn ich mal wieder merke, wie einsam ich bin und was eigentlich los ist in meinem Leben. Das dazugehörige Kitzeln in meinen Fingerspitzen fließt durch meine Kuppen und ich möchte nichts sehnlicher, als mich von diesem Schmerz zu erlösen. Auch wenn es nur für einen Moment ist.

Ohne lange zu fackeln, knöpfe ich deswegen meine Hose auf und lasse sie bis zu meinen Fesseln gleiten, nachdem ich kurz aufgestanden bin.
Meine Hände greifen nach meinem blauen Koffer, den mir mein Vater vor fünf Jahren für mein erstes Sommercamp geschenkt hatte. An manchen Ecken blättert die Farbe schon ab und ein hässlicher Grauton kommt zum Vorschein.

Er hat nur eine Seitentasche, die dazu auch noch relativ klein ist. Früher habe ich mich deswegen geärgert, aber heute bin ich froh darum.
Mit einer schnellen Handbewegung öffne ich den etwas klemmenden Reißverschluss und ziehe das raus, was ich zum Überleben brauche.

Mein Blick gleitet über das dünne Metallblättchen und verankert ihr Aussehen in meinem überfüllten Gehirn. Ich möchte diesen Augenblick, diese einzige Sekunde vor dem Schnitt, in

Erinnerung behalten und niemals vergessen, denn genau dieser Moment macht mich aus.

Ich lasse die Klinge leicht und ohne großen Druck über die Innenseite meines Beines gleiten und schaue zu, wie sich die Stelle an meiner Haut glänzend rot verfärbt. Ein Lächeln umspielt meine Lippen, als ich endlich den brennenden Schmerz spüre, der mich daran erinnert, dass mein Körper noch lebt, obwohl ich innerlich tot bin.

Genugtuung breitet sich in mir aus.

Ein weiteres Kapitel habe ich heute meiner Geschichte hinzugefügt. Mein Stift ist die Klinge.
Mein Papier ist meine geschundene Haut.
Und meine Inspiration mein zum Scheitern verurteiltes Leben.

Ich mache mit dieser Geschichte an dem #NewPiperTalent mit und würde mich über jegliche Unterstützung freuen. In die Shortlist kommen die Geschichten, die die meisten Follower haben, deswegen würde mir ein Follow die Welt bedeuten! xx

01- Icequeen