Erde #MikroErde

Erde #MikroErde

Erde #MikroErde

Metallsprossen führen mich in dem schmalen, dunklen Schacht aufwärts. Ich höre Rivers Schritte dicht hinter mir und das Fauchen der vorbeisausenden Bahn, weit, weit unter uns. Die Luft ist zu warm, zu … leer. Ich atme schneller, als ich sollte. Wenn ich jetzt fiele, würde ich River mit in die Tiefe reißen und die Bahn uns pulverisieren. Ich schaudere. Nicht an damals denken. Nicht jetzt. Weiter.

Endlich bin ich oben. Ein halbrundes Glasdach schließt den Schacht ab, wie eine Miniaturausgabe der immensen Kuppel über meiner Heimatstadt. Ich drücke dagegen, hastig, beinahe panisch, erfolglos, da greift River an mir vorbei und zieht einen kleinen Hebel an der Einfassung. Die Kuppel schwingt zischend auf. Er packt mich an der Hüfte, hilft mir hinaus und ich breche bäuchlings auf dem Boden zusammen.

Tief sauge ich die frische Luft in meine Lunge. Gerüche überfluten meine Sinne, wild und würzig und so lebendig. Ich drehe mich halbtrunken davon um. Vogelgezwitscher. Blätterrauschen. Baumkronen über mir, soweit das Auge reicht.
„Grün“, stelle ich fest und Freude flattert in meinem Bauch auf.
Frei. Wir sind frei. Diese Freiheit, für die wir all das auf uns genommen haben, nimmt so viel mehr Raum ein, als ich erwartet hätte. Sie scheint … unendlich. River stützt sich auf seinen Ellenbogen und wischt mir sanft etwas von der Backe.
„Nur ein bisschen Erde“, erklärt er mir.
Ich schnappe mir seinen Finger, betrachte die krümelige Substanz genau. „Ich will sie mir ansehen.“
Er zieht mich lachend auf die Beine. „Wir werden sie uns ansehen. Zusammen.“