Date #MikroDate

Date #MikroDate

Date #MikroDate

Mit klopfendem Herzen gehe ich das Rollband hinunter. Sie treffen Ihr Date am Bahnhof 17F-West, hat in der verschlüsselten Nachricht gestanden.
Ich muss den gesamten Bahnsteig entlang. Es ist lautlos bis auf das gelegentliche Flüstern der vielen Wartenden und meine gemäßigten Schritte. Ich darf nicht auffallen.
An der Art, wie er dasteht, erkenne ich ihn sofort. Aufrecht. Fokussiert. Entschlossen. Und er ist nur meinetwegen hier. Je näher ich komme, desto mehr Details kann ich in seinem eigenwilligen Gesicht ausmachen, ein rebellisches Funkeln in seinen dunklen Augen, und wie sich sein linker Mundwinkel einen Millimeter hebt, als auch er mich erkennt. Kurz erlaube ich mir den Gedanken: Mit dir zusammen würde ich es auch wagen. Abzuhauen. In die Wildnis, nach draußen, jenseits unseres sicheren Regelwerks, das jeden nonkonformen Funken im Keim erstickt. Allein die Vorstellung lässt mich zittern.
Ich tu das nicht für mich, rufe ich mir selbst in Erinnerung. Ich brauche die Codes von ihm für meine Schwester. Ich bin fast da. Noch 30 Meter. Auch mein Date strafft sich.
Plötzlich kommt Bewegung in die Menschenmenge, Friedensbewahrer bahnen sich ihren Weg in seine Richtung.
Flieh, will ich ihm zurufen, doch ich senke den Blick, gehe einfach vorbei. Gemäßigt. Zur Treppe. Ich kann kaum atmen vor Panik, wirble schließlich doch herum. Er kämpft, still in der Stille, aber es sind zu viele, er reißt sich los. Sein intensiver Blick bohrt sich in mein Gewissen, die einfahrende Bahn peitscht mir die Haare ins Gesicht, dann lässt er sich rückwärts vor den Zug fallen.