1| Die Fremde

Wintersonnenmädchen

1| Die Fremde

Die Fremde


...Ein Mädchen mit blondem Haar, goldgelb und weich, wie der süße Honig im Frühjahr, und mit Augen, dem Licht der Wintersonne gleich. Ein Kind des Nordens, das seine Heimat im Herzen trägt, mit all ihren Farben und ihrem Klang.

Ein Wunsch, nur ein einziger Wunsch treibt es an. Denn die Angst greift nach ihm, Tag für Tag, und sie bringt ihm die Dunkelheit, an der seine Seele erkrankt.

Ihr zu entfliehen.

Die Lichter zu sehen.

Sie wiederzusehen...

•●•



Ein eisiger Wind blies durch die von Frostkristallen gezierten Äste und biss Marja in die Ohrläppchen, sodass sie ihren roten Wollschal weiter nach oben zog. Der Schal war kein wirklich schönes Exemplar, doch er war von Marjas Großmutter gestrickt worden, und somit fühlte sie sich dazu verpflichtet, ihn wenigstens einmal getragen zu haben. Außerdem spendete er eine wohlige Wärme, die Marja in diesen kalten Wintertagen wirklich schätzte. Noch nicht einmal Schnee knirschte unter den Füßen der Zwölfjährigen, als sie den Weg zur Inselbibliothek auf sich nahm und über die von tückischem Eis überzogenen Bordsteine eilte. Marja fand das schade, sie mochte Schnee, es gab ihn hier nur viel zu selten.

Doch es war auch nicht so, dass Marja lieber zu Haus auf dem Sofa vor dem knisternden Kamin lungern wollte, als durch die Eiseskälte zu hasten. Was sollte sie zu ihrer Beschäftigung tun, wenn sie sämtliche Bücher in ihren Regalen ausgelesen und alle DVDs, die sich in der Schatulle vor dem Fernseher befanden, durchgeschaut hatte?

Die Inselbibliothek war schon immer ein Zufluchtsort für Marja gewesen. Ob sie sich mit ihren Eltern gestritten hatte, traurig war, oder, wie vor zwei Jahren, als ihr Vater ihr offenbart hatte, dass ihre geliebte Katze Kiki eingeschläfert werden sollte. Geweint hatte sie, tagelang, doch auch die Trostversuche ihrer Eltern konnten ihre Trauer nicht lindern, geschweige denn verschwinden lassen. Kein Mensch, kein realer, lebendiger Mensch, mit dem sie sprechen und den sie berühren konnte, vermochte das zu tun. Deshalb suchte sie Zuflucht in den Welten, die einer von ihnen erschaffen hatte. Irgendeine unscheinbare Person, die wie sie durch die Straßen lief, vielleicht arbeiten ging und in einem Haus oder einer Wohnung lebte, und die doch dazu in der Lage war, eine neue Welt zu schaffen. Eine Welt, die niemand je komplett verstehen konnte, und die doch so viele Leser in ihren Bann zog. 

Lächelnd zog Marja ihren Schal noch weiter über ihre Ohren, sodass man am Ende von ihrem Gesicht fast nur noch ihre giftgrünen Augen sah, wie sie aufmerksam über die menschenleeren Straßen schauten. Sie fragte sich, welche Geschichte sie sich dieses Mal heraussuchen würde. Handelte sie von Kindern oder von Erwachsenen? Spielte sie in ihrer oder einer fremden Welt? Sprachen Tiere miteinander oder schwammen Nixen durch den blauen Ozean? All sowas hatte sie sich schon bildlich vorgestellt, manchmal sogar mit eigenen Augen bestaunt, wenn sie über den Bildschirm ihres Fernsehgeräts huschten. Man mochte beim Anblick ihres zum Platzen gefüllten Bücherregals im Gegensatz zu ihrer kaum fünfzig Zentimeter breiten Schatulle, in der sie ihre Filme aufbewahrte, vielleicht denken, dass sie die geschriebenen Worte gegenüber den gesprochenen bevorzugte, doch das stimmte nicht. Nur gab es viel mehr Bücher, die einen gewissen Zauber versprühten, als Filme, auch wenn diese es vergeblich versuchten.

Als Marja die schwere Glastür, die sich mit einem leisen Klingeln bewegte, aufstieß, blies ihr ein warmer Luftzug ins Gesicht, der das Mädchen erleichtert aufatmen ließ und ihm die klirrende Kälte wie einen Mantel abnahm. Sie streifte sich die dicke Winterjacke von den Schultern und lockerte den Schal etwas, legte ihn jedoch nicht ganz ab, damit ihre sowieso schon angeschlagene Stimme nicht noch mehr leiden musste. 

„Na, Marja?“ Das Mädchen wendete sich der vertrauten Stimme zu. Die Bibliothekarin lächelte sie aus ihrem netten, runden Gesicht an, wobei ihre braunen, kleinen Augen durch die rundliche Lesebrille auf Marja herabfunkelten. Die Bibliothekarin, mit dem Namen Frau Schröder, kannte sie inzwischen gut, nachdem sie dem Mädchen gefühlte hundert Bücher empfohlen und mit ihr über mindestens zwei Drittel ausgiebige Diskussionen geführt hatte. „Suchst du wieder das Abenteuer?“ 

Das Abenteuer. Marja lächelte verträumt. Wie oft hatte sie sich schon gewünscht, einmal Teil eines richtigen Abenteuers zu sein? Eines großen, nervenaufreibenden Wagnisses. Eine Romanheldin wollte sie sein. Zu trostlos war die Realität, in der sie wohl niemals etwas Ungewöhnliches erleben würde, zusammen mit ihren glücklich verheirateten Eltern auf dieser verschlafendsten aller Nordseeinseln, ohne ungewöhnliche Freunde - oder überhaupt irgendwelche Freunde. Woher denn auch? Es gab hier keine anderen Kinder außerhalb der Urlaubssaison. Marja ging als einzige Siebtklässlerin in die Schule, in der noch eine eitle, völlig überschminkte Schülerin der zehnten Jahrgangsstufe und ein schüchterner, rothaariger Viertklässler unterrichtet wurden.

Plötzlich fiel Marja wieder ein, dass noch eine unbeantwortete Frage im Raum herumschwirrte, darauf wartend, endlich erlöst zu werden. Das Kind legte den Kopf schräg und musterte die Bibliothekarin mit einem frechen Grinsen auf den Lippen, wie immer, wenn sie die Frage beantwortete, die sie schon tausende Male gehört hatte. 

„Natürlich“, antwortete sie wie üblich. „Ansonsten würde ich auf dieser bocklangweiligen Insel doch irgendwann mehr geschlafen haben, als gut für mich ist.“ 

Frau Schröder sah mit einem Mal besorgt aus. So besorgt, dass sich über ihrer Nase eine tiefe Falte bildete und ihr vergnügtes Lächeln ohne Wiederkehr erlosch. 

„Armes Mädchen“, sagte sie und schüttelte seufzend den Kopf. „Armes, armes Mädchen. Aber so ist es nun mal. Diese Insel ist nicht der geeignete Ort für ein so intelligentes, neugieriges Kind, ja, so ist es nun mal. Oh, Marja. Willst du wirklich nicht auf ein Internat auf dem Festland? Ich kann das, das meine Tochter seit Jahren besucht, wirklich nur empfehlen! Marja, Marja ...“ Immer und immer wieder schüttelte sie den Kopf. „Überleg doch, bei Gleichaltrigen! Außerdem hättest du die Chance ein Abitur zu machen! Deinen wachen Verstand kann man doch nicht einfach auf dieser gottverlassenen Insel vertrocknen lassen!“

„Frau Schröder!“, stoppte Marja letztendlich lachend den Redeschwall der Frau. „Bei allem Respekt, aber mir geht es hier doch wirklich gut. Ich hab doch meine Eltern, ich hab Luke und natürlich Freddie. Das ist mehr als andere haben!“ 

Ein Gefühl der Wärme und Geborgenheit breitete sich um ihr Herz aus, bei dem Gedanken an Luke, ihrem tapferen Golden-Retriever, der sie schon auf so mancher Reise begleitet hatte, als sie noch kleiner und die Welt voller unentdeckter Wunder war. Und ihr Cousin Frederik.

Freddie.

Er war zwar acht Jahre älter als sie, doch trotzdem war er ihr bester Freund. Freddie war es gewesen, der immer mit ihr Angeln ging und von dem sie einen Fischerknoten gelernt hatte. Fischarten konnte sie auseinander halten. Sie konnte die Lagune mit einem Segelboot durchfahren. Außerdem konnte sie ein richtiges Motorboot lenken, mitten auf dem offenen Meer anhalten und warten, bis sich ein Fisch in ihrer Angel verbiss. 

Fischerin. War das ein Beruf für sie? Oft hatte Marja sich das gefragt, doch Freddie riet ihr immer wieder davon ab. 

„Du? Eine Fischerin?“ Gelacht hatte er, jedoch komplett ohne Spott. Er würde es ihr schon zutrauen. „Also Marja, nun sei nicht albern. Du, kleines verrücktes Weib, du kannst sehr wohl deinen Kopf anstrengen. Du hast es gar nicht nötig, dich auf deinem Fischerboot zu verstecken und auf den nächsten dicken Fang zu warten, so wie ich.“

„Aber ich möchte so sein wie du!“, hatte Marja energisch widersprochen.

„Gott, habe ich dich wirklich schon so verdorben?“ Mit einem amüsierten, und doch irgendwie besorgten Lächeln wuschelte er durch Marjas dunkelbraunes - fast schwarzes - Haar. „Nein, wenn, dann wirst du Autorin. So eine wie ... Johann Wolfgang von Goethe.“ 

„Ich dachte, den kannst du nicht leiden?“, erinnerte Marja ihren Cousin an seine eigenen Worte. 

„Stimmt“, antwortete Freddie darauf nur - und zwinkerte ihr zu, „aber dich kann ich sehr wohl leiden.“ 

Und so endeten die Gespräche zwischen Marja und Freddie häufig. Zumindest, wenn es um solche Themen ging. Aber Autorin werden? Wieso ging Freddie davon aus, dass Marja Autorin werden wollte? Sicher, die Aufsätze, die ihr Lehrer sie schreiben ließ, benotete jener immer sehr gut, doch deshalb musste sie längst keine Autorin werden. Lieber las sie Geschichten aus fernen Welten, als sich selbst eine auszudenken. Woran fand man Spaß, wenn man den Ausgang der Geschichte von Anfang an kannte? Wenn man jedes Wort vorausplante, bis es auf dem Papier erschien? Wo blieb da die Spannung, das Mitfiebern?

Frau Schröder zuckte resignierend mit den Achseln. „Wie du meinst. Solange du hier glücklich bist, ist ja alles in Ordnung“, behauptete sie, jedoch ohne dass die Sorge aus ihren Augen verschwand. Marja versuchte, ihr ein glaubhaft beruhigendes Lächeln zu schenken, doch das schien die Bibliothekarin nicht im Geringsten zu beschwichtigen. 

Am liebsten hätte Marja geseufzt. Das Festland war ja schön und gut, doch konnte sie mit dem Verkehr, den vielen Menschen, dem ganzen Trubel gar nichts anfangen. Da musste es sich noch nicht einmal um eine Großstadt sondern nur um ein einfaches Dorf handeln. 

So war Marja eben aufgewachsen: Vollkommen abgeschieden von der Welt, wie sie andere Kinder kannten. Mit den Bussen und Straßenbahnen, mit den Smartphones und Hobbys wie Tanzen, Schwimmen und Gitarre spielen. 

„Gott, ich muss hier raus!“ Wie oft hatte Marja diesen Satz schon von der Zehntklässlerin an ihrer Schule gehört? „Ej, hier sind doch gleich zwei Rudel Hunde begraben. Ich hab nie Netz, alle meine Freundinnen sind auf dem Festland, außerdem fühl' ich mich total hobbylos!“

„Ich lese gern. Das kann man überall machen“, hatte Marja sich einmal schüchtern geantwortet. 

Das Mädchen hatte Marja so feindselig angefunkelt, als hätte sie ihre ganze Familie beleidigt. „Kleine Besserwisserin. Du kannst meinetwegen auf dieser verdammten Insel verrecken, ich dagegen will leben! Und das hier ist kein Leben.“ 

Keineswegs hatte das Marja gekränkt. Sie machte sich nicht viel aus den Worten anderer. Nichts als unwichtige Nebenfiguren, dachte sie dann immer kopfschüttelnd. Niemand, mit dem ich mich abgeben muss. Obwohl Marja zugeben musste, dass auch Nebencharaktere in Büchern sie jedes Mal aufs Neue faszinierten. Sei es einfach aus Sympathie für diese Figur, oder weil ihr deren Schläue und Gerissenheit imponierte. Nicht nur die Hauptfiguren konnten den Leser fesseln.

In diesem Moment ertönte ein leises Klingeln. Die Tür wurde aufgedrückt - und dem verschwörerischen Lächeln auf Frau Schröders Lippen nach zu urteilen, hatte diese soeben eine Idee. 

„Kirka, Herzchen!“ Sie musterte das honigblonde Mädchen mit der schwarzen Mütze, das die Bibliothek betreten hatte, mit demselben freundlichen Ausdruck, den sie auch immer für Marja übrig hatte.

Diese kniff argwöhnisch die Augen zusammen und versuchte, sich das blasse Gesicht mit den hellen, trüben Augen und den kantigen Konturen einzuprägen und zu überlegen, ob sie es schon einmal gesehen hatte. Kirka. Der Name war ihr fremd, so fremd wie das zierliche Mädchen selbst, und das verwirrte sie.

Marja hasste es, wenn sich irgendetwas veränderte, doch das passierte hier normalerweise auch nicht. Hassen war eigentlich auch das falsche Wort - sie mochte es nicht, hatte Angst davor, und über diese Angst ärgerte sie sich furchtbar. Was für eine tolle Abenteurerin sollte sie denn sein, die es am liebsten hatte, dass alles so blieb wie es war, aus Furcht, sie könnte dieses Bisschen auch noch verlieren? Jetzt etwas so Fremdes vor ihr stehen zu sehen, irritierte sie auf jeden Fall zutiefst.

„Einen wunderschönen guten Morgen, Verehrteste!“, wünschte Kirka der Bibliothekarin und hob ihre Mundwinkel zu einem schwachen Lächeln. „Es ist schon eine Zumutung, bei diesem Eiseswetter, und dann auch noch an einem Samstag, arbeiten zu müssen, hab ich nicht Recht? Da kann man genauso gut am Wochenende zur Schule gehen.“ 

Frau Schröder schüttelte über Kirkas Worte, die klangen, als hätten sie einen großen Teil ihres Lebens eine gemeinschaftliche Ungerechtigkeit ertragen müssen, lachend den Kopf. „Aber Liebes, die Arbeit in der Bibliothek ist doch keine Strafe, falls du das denkst. Ich kann lesen, was immer ich will, und es ist zumindest die ganze Zeit schön still.“ Nun wanderte ihr Blick kurzzeitig zu Marja, dann wieder zurück zu dem fremden Mädchen. „Ihr zwei verbringt ja freiwillig jede freie Minute hier, ganz egal, welcher Tag ist oder welches Wetter draußen herrscht.“

Wie dieses Mädchen redete! Marja liebte die oft umständlichen, aber so gebildet wirkenden Sätze ihrer alten Abenteuerbücher. Jules Verne, Alexandre Dumas, Robert Louis Stevenson - sie alle erschufen zeitlose Geschichten, die durch ihre eigentümlichen Ausdrucksweisen trotzdem veraltet wirkten. Aber das störte Marja nicht - im Gegenteil - sie versuchte sich selbst im Alltag oft genug daran, so zu sprechen. Dass ihre Mitmenschen das manchmal komisch fanden, war ihr ziemlich egal.

Marja lächelte verlegen, als sie Kirka nun auch auffiel. Mit ihren Augen, trüb und gelblich, wie die Wintersonne, die draußen schien, durchleuchtete sie Marja geradezu. Als sie sie aber von oben bis unten kritisch gemustert hatte, nickte Kirka und lächelte wieder matt mit ihren blassen, schmalen Lippen.

„Stimmt. Wieso sollte der Kunde sich mehr amüsieren als der Inhaber selbst? Wie dem auch sei, schön, Sie wieder gesprochen zu haben.“ Und mit diesen Worten, eigentümlich wie die ersten, verschwand Kirka hinter den nächsten Regalen, wo die Klassiker der Weltliteratur zu finden waren, wie die kleinen Schilder verrieten. Marja las für gewöhnlich keine Klassiker außer ihren Abenteuerbüchern. Das waren Bücher für Erwachsene. Meistens musste sie sich die Sätze zweimal durchlesen, um sie zu verstehen. Der Satzbau war oft sehr komplex, und viele Wörter kannte sie nicht. Solche Momente ließen sie doch erheblich an den Worten der anderen zweifeln, dass sie so schlau sei. Wenn man Marja jedoch beispielweise mit der motzenden Zehntklässlerin verglich, dachte sie bei sich, ja, dann war sie vermutlich hochintelligent. 

„Ist sie nicht ein ganz entzückendes Mädchen?“, fand Frau Schröder. Ihre runden Wangen hatten sich leicht gerötet, als sie Marja nun zuzwinkerte. „Ja, sie ist, soweit ich weiß, auch in deinem Alter, vielleicht ein oder zwei Jährchen jünger. Schon merkwürdig, das Kind ist vor zwei Wochen oder so einfach hier aufgetaucht und hat gleich drei Bücher auf einmal ausgeliehen, die sie dann schon einen Tag später wieder zurückgebrachte.“ Nun erkannte Marja in ihrem Ausdruck auch so etwas wie eine Aufforderung. „Sprich doch einmal mit ihr. Vielleicht könnt ihr ja Freundinnen werden, dann wärst du nicht mehr ganz so allein hier.“

Ich bin nicht allein!, hätte Marja gern protestiert, wenn das nicht eine Lüge gewesen wäre. Sie mochte es aber nicht, als armes, hilfloses Mädchen, allein in dieser großen, weiten Welt, abgestempelt zu werden. Frau Schröder hatte aber recht. Vielleicht konnte sie sich ja mit der Fremden anfreunden, vielleicht aber auch nicht. Das wäre auch kein Weltuntergang. Auf jeden Fall wäre sie um eine Erfahrung reicher. Schließlich hatte Marja nie gleichaltrige Freunde gehabt, nur davon gelesen. Schon mal eine gute Voraussetzung auf dem Weg zur Romanheldin, dachte sie grinsend und nickte Frau Schröder zuversichtlich zu.

„Ja, sie sieht nett aus. Außerdem ist es doch nicht schlecht, mal jemanden auf der Insel zu haben, der einen nicht nur anfaucht.“

Mitleidig schaute sie auf Marja herunter. „Du redest von dieser Nadine, oder? Ein ganz schreckliches Mädchen, wirklich! Der hat ihr Nagellack doch das Hirn vernebelt. Manchmal frage ich mich, was an ihr überhaupt echt ist. Blondiert, Haarverlängerung, künstliche Fingernägel, selbst die Zähne malt sie sich weiß an. Aber dann auf Jüngeren herumhacken. Und der kleine Viertklässler, Gott, der kriegt auch nie den Mund auf! Ojemine, Marja, du hast es schon nicht leicht.“

Das mag sein, dachte sich Marja, aber ich komme schon irgendwie klar.

Und damit machte sie sich zu den Bücherregalen auf, um endlich diesem Gespräch über Vorzüge und Nachteile zu entkommen.

2| Kirkas Geschichten