Ein Prinz zum Abgewöhnen

Sternenschicksal

Ein Prinz zum Abgewöhnen


(2026 im Sternenjahr des Planeten Xan)


Gedanken, die sich immer wieder um meine Heimat drehten, wühlten mich auf und ließen mich von dem Eigentlichen abschweifen.

 

 

 

Ziara

Xan, ist ein Ort der Abgeschiedenheit und besteht nur aus dem Planeten selbst, ohne Kontakt zu anderen im Sternensystem. Doch hatten Aufzeichnungen über die Erde und den diversen, Nachforschungen bewiesen, dass wir einst regen Handel mit ihnen betrieben.
Unsere Atmosphäre unterschied sich nicht wirklich von dem Planeten namens Erde, außer dass wir zwei Monde besaßen und sich unsere Welt schneller drehte. So hatten wir eine kürzere Sonnenzeit, welche den Handel von Xan beeinflusste.
König Sandro erteilte damals ein seltsames Verbot, das viele Xanianer nicht verstanden und es bis heute, auf Nachfrage, keine Erklärung dafür gab. Er setzte fest, dass weder jemand ein-, noch ausreisen durfte. Die Bürger hielten dies für übertrieben und waren durch diese Abschottung nicht gerade begeistert, aber fügten sich dem Beschluss ihres Königs.
Meine Eltern erzählten mir, dass es auf der Erde keinen Platz für die vielen Menschen auf Xan gab. Und das König Sandro weise und überlegt den Beschluss getroffen habe, da er nur sein Volk beschützen wollte.
Mir kamen die Erläuterungen schon immer merkwürdig vor. Ebenso wie die Königsfamilie selbst. Die aufgesetzte Freundlichkeit und der ganze Prunk lagen mir nicht. Doch als 21- jährige Frau, stand mir noch nicht zu, mich schlecht über die Hochwohlgeborenen zu äußern. Bei uns herrschte das Wort des Königs und seiner Berater. Was wir Bewohner dachten, leider nicht.
Ich riss mich von dem Blick aus meinem Zimmerfenster los, als die zwei Monde mit ihrem hellen Licht die Sonne am Firmament verdrängten. Dennoch konnte man die Sterne gut erkennen, trotz des hellen Mondlichts. Ebenso wie die Sonne verschwand, kam die Kälte hervor, und zeigte uns mit ihrem eisigen Dunst auf, warum auf dieser kargen Welt nicht allzu viel gedieh.
Xan war ein verletzter Planet, ein Kriegsveteran.
Durch seltsame Vorkommnisse, die sich niemand erklären konnte, hatte das Magnetfeld, bis hinab zum Kern, riesige Risse davongetragen. Der starke Nachhall der Wunden, die extremen Beben und Eruptionen katapultierten den Planeten aus seiner Lebensbahn.
Wir entfernten uns immer mehr von dem wärmenden Licht der Sonne und wurden doch, wie eine Nachtfliege im Netz der Spinne, von ihre Umlaufbahn aufgefangen. Astronomen und Wissenschaftler stritten sich um, das Wie, um das Unmögliche. Doch ich war mir sicher, Xan sollte noch nicht sterben. Seine Zeit war noch nicht gekommen.
In den Nachrichten unterrichtete man uns über neue Erkenntnisse, jene die Wissenschaftler in Erfahrung bringen konnten, dennoch blieben viele Antworten aus.
Ich konnte mich nur vage an das Geschehene erinnern, denn ich war noch ein Kind und die vielen Fragen blieben offen. Ein Grund, warum ich mich so sehr für das Thema interessierte und es mich nicht mehr losließ. Ich wollte einfach alles über den Krieg, das Sonnensystem und die Konstellation der Sterne wissen und meine Faszination und der Forscherdrang hielt auch noch im Hier und Jetzt an. Meinen Gedanken nachhängend, läutete der Bildschirm in meinem Zimmer.
„Ja, Mum?“
„Ziara, bist du bald fertig?“, wollte meine Mutter wissen. Sie befand sich gerade in der Küche.
Ich sah meinen Dad im Hintergrund mit einer Tasse Kaffee sitzen. Mir fiel siedend heiß ein, dass ich mal wieder zu lange meinen Gedanken nachhing, und mich deshalb auch von anderen unterschied, denn die dachten nicht nach. Jedenfalls war das meine Meinung.

„Ja, Mum! Ich komme gleich, gib mir bitte noch fünf Minuten.“
Ich wusste, dass mich fast  etwas Sehnsüchtiges anzog. Etwas das außerhalb meines Zimmers auf mich zu warten schien. Etwas, das es zu ergründen galt und deshalb war ich froh, ab Montag eine neue Schule für besonders Begabte besuchen zu dürfen. 
Was mich wiederum nicht begeisterte, war die Tatsache, dass ich dort auf jede Menge neuer Mitschüler treffen würde. Teils war ich gespannt, ob sie so wissbegierig wie ich waren, und zum Teil vorsichtig, da ich auf meiner alten Schule keine Freunde gefunden hatte.
Ich wusste, dass meine Eltern nicht begeistert darüber waren, dass ich eine Einzelgängerin war. Meine Mutter predigte mir Tag ein, und Tag aus, wie schön es wäre, wenn ich mal jemanden mit nach Hause bringen würde, und meinte, ich müsste mich schon etwas anpassen.
Ich seufzte und schob meine Gedanken fort, ehe ich den Kleiderschrank öffnete. Meine Klamotten sprachen eine andere Sprache, als die meiner Mutter. Sie waren alle ich. Ich bändigte mir meine wilden, roten Locken, die widerspenstiger kaum sein konnten. In einem Extrafach, unter dem Farbton Grün, hatte meine Mum mir ein Kleid ausgesucht.
Ich öffnete die Türen und gab per Stimmcode ein: „Extra Grün.“
Ich musste schmunzeln. Ich war gespannt, was meine Mutter unter Extra Grün verstand.
Die Fächer setzten sich in Bewegung und schoben sich in-  und übereinander,  wie ein Puzzle ohne Grenzen. Ein Fach von ganzen hinten kam hervor, öffnete sich und alles von Kleid bis passender Jacke war fein säuberlich in jenes drapiert. 
Ich strich vorsichtig über das samtige Kleid, das so ein sattes Grün hatte, wie das Blätterdach eines Baumes im Sommer. Zumindest kannte ich es so aus den Büchern, die einst von der Erde kamen und in deren Farbenpracht meine Augenfarbe schimmerte. Das Kleid ging mir bis zu den Knien und gefiel mir tatsächlich sehr gut. Ich mochte den hochgeschlossenen Kragen und die langen Ärmel, die nicht zu viel preisgaben. In diesem Kleid sah ich wirklich schick aus, stellte ich zufrieden im Spiegel fest und beließ es dabei meine störrischen Locken offen zu tragen. 
Das Chaos im Zimmer ignorierte ich, denn ich hatte ja noch am Wochenende Zeit. Ich war aufgeregt, je näher der heutige Abend rückte und versuchte mich innerlich zu beruhigen.
Meine Eltern wollten mir das Kennenlernen erleichtern, weshalb sie ein Treffen mit einigen Eltern organisierten. Ganz zu meinem Leidwesen, denn ich wäre diejenige, die alle anstarren würden.  Alleine schon, dass ich eine der Besonderen sein durfte, war eine Ehre. Auch wenn es mir etwas unangenehm war.
Nun war es soweit. Ich atmete tief ein und aus, um mich dem Abend zu stellen. Bereit meinen neuen Mitschülern entgegenzutreten.
„Ziara, kommst du bitte. Dein Vater und ich wollen endlich aufbrechen.“
Ich schüttelte genervt den Kopf und atmete noch einmal tief durch. Um mit meinen  1,78 m nicht zu sehr aufzufallen, entschied ich mich für ein paar flache, schwarze Schuhe.
„Ja Mum, ich komme ja schon!“
Die letzten Treppenstufen flog ich nach unten und kam mit einem hochroten Gesicht bei meinen Eltern an. Beide lächelten mir zu, während Mum den Kopf schüttelte. 
„Keinen Ton zu meinem Aussehen, sonst bleibe ich daheim“,  war das einzige, das mir herausrutschte, nachdem ich zum Gleiter eilte, der draußen schon auf uns wartete. Mein Dad hatte sich mit seiner neuesten Errungenschaft einen Traum erfüllt. Denn dieser Gleiter war nicht irgendein Gleiter. Es war der Pro Comfort 30.000. Und ja, ich musste zugeben, dass er bequem war.

Auf dem Weg in die „Greeta Hall“ war ich aufgeregt. Die Fahrt kam mir wie eine halbe Ewigkeit vor, die doch nur eine Viertelstunde dauerte. Wir fuhren an Häusern vorbei, die verrotteten. Die von nachtaktiven Ranken überwuchert waren und dennoch blickten mir zufriedene Gesichter aus den Fenster entgegen. In ihrem Heim schienen die Probleme vergessen, ausgesperrt.
Der Wagen hielt mit einem leichten Ruck an und holte mich aus meinen Gedanken. Bedacht stieg ich aus und ordnete meine Kleidung, ehe ich auf die Halle zu schritt, dabei bemerkte ich, dass mich jemand beobachtete. Mit Schwung drehte ich mich um und verfing mich in stechend blaue Augen. Perplex, gefangen im Augenblick, realisierte ich erst nach und nach, dass ich von Kopf bis Fuß gemustert wurde. Ich errötete. Wenn ich etwas hasste, dann war es Schwäche zu zeigen. Ich tat es ihm gleich und checkte ihn von oben bis unten ab, dabei fiel mir auf, dass er nicht nur wesentlich größer als ich war, sondern das er unter seinem Anzug einen durchtrainierten Körper zu haben schien. Sein Nachtschwarzes Haar trug er zurückgegelt, die Lippen verkniffen, beinahe grimmig. Als ob ihn etwas an mir störte.
Verwundert schüttelte ich den Kopf, bis meine Augen die Wanderung über seinen athletischen Körper aufnahmen, der unter seinem Anzug steckte. Doch seine blauen Augen zogen mich immer wieder magisch an und als hätte ich es geahnt, breitete sich ein selbstgefälliges Grinsen in seinem Gesicht aus. Entrüstet riss ich mich von seinem Blick los und versuchte mich auf die Gesprächsfetzen meiner Eltern zu konzentrieren, die just in diesem Moment ein anderes Paar, samt eines jungen Mädchens in meinem Alter, begrüßten.  Sie schien etwas schüchtern und nett zu sein.  Genau wie ich, war sie groß und hatte im Gegensatz zu mir einen schimmernden Braunton als Haarfarbe, der in langen Wellen über ihre Schultern floss. Dabei sahen mich braune Augen aus einem herzförmigen Gesicht musternd an.
Sicher fühlte sie sich genauso unwohl wie ich.
„Ziara!  Begrüße bitte Pirty."
Sie wird eine deiner neuen Mitschülerinnen sein. Ich hielt ihr die Hand hin und sie lächelte mich schüchtern an. Ich wusste, was meine Mum vorhatte, eine Freundin für mich zu finden. Im Grunde hatte Mum Recht, doch ich fühlte mich glücklicher, als Außenseiter.
„Ziara, wie wäre es, wenn ihr beide euch mal umschaut? Es sind einige junge Leute bereits angekommen und es wäre sicher gut, wenn ihr wisst, mit wem ihr eure Schulzeit verbringen werdet.“
„Ja Mum, das machen wir.“ Ich zog Pirty mit mir, um den Dunstkreis von Mum´s Fürsorglichkeit zu entkommen. Trotzdem versuchte ich, mit ihr ins Gespräch zu kommen.
„Neue Schule?“
Sie sah mich überrascht an. „Nun ja… äh, ich würde sagen ich freu mich darauf. Es ist eine Möglichkeit sich schulisch weiterzuentwickeln." 
Verwirrt musterte ich sie. „Du denkst? Oder du freust dich?“, antworte ich.
„Äh. Ich denke, ich freue mich darauf. Vorher hatte ich niemanden zum Reden und es scheint mir, hier wird es anders werden", meinte sie und schenkte mir ein Lächeln. 
„Aha“, ging es mir durch den Kopf, also bist du eine Außenseiterin wie ich, die von allen gemieden wird?" Ich sah sie gespannt an. 
„Ja, so könnte man es ausdrücken“, erwiderte sie mit gerunzelter Stirn. Es schien ihr unangenehm zu sein.
„Hmmm…“, machte ich nur.

Im großen Saal angekommen, holten wir uns erst einmal etwas zu trinken. Wir tauschten uns aus und entdeckten schnell, dass wir viele Gemeinsamkeiten hatten, wie Lesen und das Hinterfragen unserer und anderer Welten.
Unmittelbar in unserer Nähe stand eine Gruppe Mädchen, die sich ausgiebig und angeregt über den mysteriösen Typen mit den stechend blauen Augen unterhielt.
Sollten sie ruhig. Mir war dieser arrogante Typ schnuppe. Ein blondes Ding, Marke Schönheit-Gutaussehend, schwärmte bereits von ihm. „Das wird garantiert mein neuer Mann. Ich sag euch, daraus können nur wundervolle Kinder entstehen.
Ich kehrte mich ab, signalisierte Pirty mit  einer Kopfbewegung mir zu folgen und konnte das Lachen nicht mehr unterdrücken.
Pirty war neugierig. „Jetzt sag mir mal warum du lachst. Ich versteh nur Bahnhof.“
Ich musste immer noch grinsen und schielte zu der Gruppe Fangirls.
,,Hast du Blondie gehört?"
,,Das ist die Hochwohlgeborene von und zu Frankenstein.“, erwiderte Pirty und wir mussten noch mehr lachen.
„Gut, und genau die will den arrogantesten Blödmann heiraten, der mir heute Abend über den Weg gelaufen ist", erzählte ich, mit den Gedanken an seinen unverschämten, arroganten Blick. 
„Na, der Typ, der denkt er wäre der König hier.“
Mich beschlich ein ungutes Gefühl, als Pirtys Blick jemanden hinter mir fixierte. Das Tippen auf meiner Schulter ließ mich zusammenzucken und ich drehte mich langsam um.
,,So so, nerviger Typ also", entkam es meiner unerwünschten Begegnung.
Meine Augen wanderten über sein Gesicht, das mir nah, zu nah war, und es dauerte eine Weile bis ich meine Sprache wieder fand. 
„Äh nun… ", kam es zögerlich aus mir heraus. Zum Glück fand ich meine Stimme schnell wieder. ,,Wieso? Fühlst du dich angesprochen? Schließlich bist du nicht der einzige hier im Saal?"
Er besaß tatsächlich die Frechheit mich anzugrinsen. ,,Nein", erwiderte er völlig kühl. „Aber der einzige mit dem alle Mädels Kinder haben möchten."  Sein Grinsen wurde breiter.
Ich war empört über so viel Überheblichkeit.
,,Na, wenn du dich da mal nicht irrst. Pirty und ich stehen nämlich nicht auf verkorkste Machos, deren Egos größer sind, als ihre Charakterstärke." 
Wutentbrannt ließ ich ihn stehen und zog Pirty hinter mir her, während mir die Ladys erstaunt nachsahen.  Wie konnte ich auch so einen Gott abblitzen lassen, unvorstellbar. 
Nachdem wir den Abstand zu ihm und den anderen etwas vergrößert hatten, beobachtete ich die Situation.
„Du weißt schon, wer das war!“
Ich schaute Pirty an und schüttelte vehement den Kopf.
„Na, du bist ja klasse. Das war zufälligerweise der Sohn unseres Königs. Du hast also gerade den Prinzen vor den Kopf gestoßen.“
Ich sah sie aufmerksam an.
„Und weiter? Er kann von mir aus sein was oder wer er will. Ich gebe mich nicht mit Idioten ab." Wenn Blicke hätten Töten können, wäre er wahrscheinlich schon umgefallen, ging es mir durch den Kopf. Seltsamerweise hatte ich ihn nicht gleich erkannt. Er sah so ganz anders aus in Natura.
„Ja, da hast du Recht. Aber du bist die einzige auf dem gesamten Planeten, die ihn abblitzen lässt." „Selbst Schuld. Was sollte ich von solch einen eingebildeten Schnösel wollen???"
„Ich weiß nicht. So ein Prinz scheint mir keine schlechte Partie zu sein. Du hättest keine Geldsorgen mehr, könntest machen was du möchtest und hättest bestimmt ein angenehmeres Leben."
Darauf zuckte ich nur mit den Schultern.


Den ganzen Abend versuchte ich mich nicht mehr zu Mr. Arrogant umzudrehen. Sollten ihm doch die Augen aus dem Kopf fallen.
Das Getuschel schwoll an, als der Rektor die Bühne betrat und alle sich zu ihm und dem Rednerpult umkehrten.
Es wurde ganz still, als der Rektor an das Mikrofon trat und ich musste zugeben, dass ich schon ganz gespannt auf seine Worte war. 
,,Wir freuen uns sehr, so viele, neue Schüler an unserer besonderen Schule begrüßen zu dürfen. Falls ihr Fragen oder Probleme haben solltet, sind wir gerne für euch da. Ich wünsche euch noch einen schönen Abend und ich und das Kollegium hoffen, dass es die schönste und beste Zeit eures Lebens wird."
Die Menge klatschte bereits Beifall, als der Rektor Pernball abermals ansetzte.
„Außerdem wollen wir einen ganz besonderen, jungen Mann, der bald unseren Planeten regieren wird, bei uns willkommen heißen. Ich bitte um Applaus für Prinz Malcrom."

Typisch, ging es mir durch den Kopf. Von wegen Gleichberechtigung. Klar, dass der Schnösel wegen seines Titels und nicht wegen eventueller Leistungen in den Himmel gehoben wurde. Meine gute Laune war dahin, was auch Pirty nicht entging.
„Hey, was ist denn mit dir los? Du siehst aus, als ob du gerade in eine saure Zitrone gebissen hättest.“
„So könnte man es auch nennen.“ Ich sah Sie genervt an und wies nickend zur Bühne. 
„Wegen dem Prinzen? Du scheinst doch mehr Interesse für ihn zu haben, als ich dachte."
„Wie bitte? Für diesen ungehobelten Rüpel, nie im Leben. Ich bin froh, wenn der nicht in meiner Nähe ist." 
Sie runzelte die Stirn, als könnte sie dem eben Gesagten kein Fünkchen Wahrheit abgewinnen. Also gut Freundschaften wurden eh überschätzt und deshalb drehte ich mich gerade zum Gehen. Die Stimme von Mr. Arrogant schallte aus dem Mikrofon und ließ mich innehalten.
„Erst einmal danke, Rektor Pernball. Ich freue mich auch, hier sei zu dürfen und denke, dass diese Einrichtung durch wirtschaftlichen Ehrgeiz immer mehr erblühen wird. Ich hoffe, ich werde den Anforderungen gerecht und wir können gemeinsam unsere Zukunft gestalten.“
„Meine Güte. Mit dieser Rede, die er vorher bestimmt einstudierte, lag ihm die gesamte Schüler- und Lehrerschaft zu Füßen und ausgerechnet mich sah er zufrieden grinsend an.
„Der Kerl brachte mich mit seinem dümmlichen, selbstgefälligen Lächeln sowas von aus dem Konzept, weshalb ich beim Weggehen beinahe mit einem  Mann zusammengestoßen wäre. Zum Glück wich er mir rechtzeitig aus, schüttelte nur den Kopf und murmelte vor sich hin: „Die Jugend von heute." Mir allerdings ging der ganze Abend gegen den Strich und ich machte mich auf die Suche nach meinen Eltern. Pirty eilte mir nach und hatte mich in wenigen Sekunden eingeholt.
,,Mensch,“,  meinte sie außer Atem, ,,bist du jetzt eingeschnappt?"
Ich sah sie verdutzt an. ,,Wieso sollte ich?"
,,Na wegen meines Kommentar über dich und den Prinzen."
„Ach das, deshalb doch nicht.“ Dann müsste mich ja interessieren, was der Schnösel noch zu sagen hat. Tat es aber nicht!“ Oder doch?

Ich schaute mich suchend um und entdeckte meinen Vater bei den Getränken.
„Pirty, versteh mich nicht falsch, aber ich würde sagen, wir sehen uns ab Montag in der Schule.“
Pirty schien zu überlegen.
,,Du, warte mal.", sagte sie.“ Ich würde sagen, wir tauschen Nummern aus und dann telefonieren wir.
Ich überlegte kurz, und dachte über die Worte meiner Eltern nach. Ja, es konnte vielleicht nicht schaden sich mit jemanden schulisch auszutauschen.
Nachdem wir nun gegenseitig erreichbar waren, lief ich zu meinem Vater um ihn zur Rede zu stellen. Schließlich wollte ich wissen wie lange wir wohl hier noch verharren müssten. Ich zog mit Absicht ein leidendendes Gesicht und schob die Kopfschmerzen, die sich wirklich ankündigten, als Grund vor. Das zog bei meinem Vater immer. Nur heute war mein Vater anderer Meinung und sah mich kurz an, um mir dann zuzuflüstern:  „Sternschnuppe, lass uns bitte noch kurz bleiben. Danach können wir los. Geh doch ein bisschen an die frische Luft, dass wird dir bestimmt guttun wird." 
Ich rollte mit den Augen und steuerte, nachdem ich meine Mum nicht auffinden konnte, die ausladende Saalterrasse an.  Irgendwie erinnerte mich das Gebäude an ein Schloss in weiter Ferne, auf einem anderen Planeten aus meinen Romanen. Ich musste schmunzeln. 
Ich sah in den Himmel. Die Sterne und die zwei Monde strahlten hell am Firmament.  Trotz allem fragte ich mich, warum ich das Gefühl der Trostlosigkeit  tief in mir drin spürte. Ein Kloß machte sich in mir breit. Was war nur los mit mir? Warum hatte ich so ein unwohles Gefühl in der Magengegend. Ich atmete tief durch und mich holten die Worte meiner Oma ein: „Kind, was kommt, kommt. Lass es einfach auf dich zukommen und sei immer bereit.“
Schritte rissen mich aus meinen Gedanken und ich wandte mich um.
Wie ein Raubtier, kam der Prinz auf mich zu.  Sein intensiver Blick ließ mich frösteln. Ich kam mir absurderweise gefangen vor, mitten auf einem großen Balkon, und sah mich nach einer Fluchtmöglichkeit um, bis mein Verstand mir einschärfte kein Freiwild zu sein. Sein intensiver Blick ließ mich hart schlucken. Ein ungewohntes Kribbeln breitete sich in meinem Körper aus. Sobald ich zu Hause sein würde, würde ich mein auffälliges Kleid in die Katakomben meines Kleiderschrankes verbannen. 
„Guten Abend.“ 
Ich nickte nur.  Sollte er doch denken was er wollte.
„Wollen wir nochmal von vorne anfangen. Ich bin Malcrom.“
Ich sah auf seine Hand und versuchte den Geräuschen zu lauschen. Doch mich umfasste eine Stille, die nur seine Worte, seine Geste und seine Nähe zuließ. Was hatte das zu bedeuten? Ich konnte es nicht deuten. Abweisend verschränkte ich die Arme vor meiner Brust. Nein, ich traute ihm einfach nicht. 
„Nun, wie mir scheint, sollten wir, wie gesagt, nochmal von vorne anfangen. Ich meine, du wirst ja nicht auf ewig so stur sein können, wenn ich dir rein gar nichts getan habe. Oder wie siehst du das?“ Ich sah ihn noch immer herausfordernd an. „Ich habe dir, wie du gerade festgestellt hast, auch nichts getan und nein, deshalb muss ich trotzdem mit dir nichts zu tun haben."
Nach dieser Ansage, wollte ich ihn stehen lassen, da hielt er mich doch einfach am Arm fest und zog mich zu sich.
„Nun, das glaube ich nicht, denn man kann vor seinem Schicksal nicht flüchten.“ , raunte er mir ins Ohr.
Perplex, über den Themenwechsel und der kryptischen Aussage, sah ich ihn an und verstand überhaupt nichts mehr. Ich suchte in seinen Augen nach einer Antwort, als seine Groupies laut schnatternd auf den Balkon stürmten und ihn umschwärmten.  Widerstrebend ließ er mich los und ich verschwand in der Menge.
Die Tür, für die Bedürfnisse der Damen, schwang hinter mir zu, als ich noch immer nicht fassen konnte, was gerade passiert war. Irgendetwas löste Malcrom in mir aus und ich verstand es einfach nicht. 
Nachdem ich mich in einer Kabine verschanzt hatte, versuchte ich mich zu beruhigen. Meine Atmung zu Entschleunigen. Ich war mir sicher, dass man mir meine  Verwirrtheit ansah. Etwas, das ich tunlichst vermeiden wollte. Mitten in meiner Aufregung stieß eine Gruppe Mädchen die Tür zu den Toiletten auf, die die ich als schnatternde Gänseschar von Malcrom ausmachte.
„Ach, ist er nicht traumhaft? „
„Nun, Amerly, du weißt schon, was wir ausgemacht haben? Einen fairen Wettkampf, um die Aufmerksamkeit des Prinzen. Schließlich wollen wir nicht zurückstehen, nur weil du dir mal wieder etwas in den Kopf gesetzt hast.“
„Ich weiß ja, dass ihr das nicht wollt, aber glaubt mir, ich werde ich ihn sowieso bekommen.“
Genervt rollte ich mit den Augen. Wie konnte man nur so beschränkt und hohl sein.
Vollkommen oberflächlich gingen sie nur nach dem Titel und seinem Äußeren. Innere Werte schienen egal. Nun, was sollte es, ich würde warten bis diese Gänse verschwunden waren und anschließend meinen Vater suchen und finden, meine Mutter auflesen und schnellstens hier verschwinden. Hauptsache ich lief Malcrom nicht noch einmal über den Weg. Egal, was er vorhin wollte, es war mir nicht geheuer. Auch wenn er mich zu kennen schien, konnte ich mich nicht erinnern, ihn jemals getroffen zu haben. Dennoch bekam er seit heute einen Platz unter dem Titel "Idiot".

Nach mehreren, Nerv raubenden Minuten des Zuhörens verschwanden schnatternd die Grazien.
Ich spähte um die Ecke. Die Luft war rein. Ich machte mich auf den direkten Weg in den Saal, um nach meinem Dad und Mum Ausschau zu halten. Mein Dad war nicht mehr an der Getränkeausgabe, was bei meinem Glück nicht verwunderlich war. Nun hieß es suchen.

Leider war es doch recht voll und bei weitem nicht so übersichtlich, wie ich es mir gewünscht hätte. In diesem Moment wäre ich sogar froh gewesen, wenn mir Pirty  geholfen hätte, denn ein ungutes Gefühl und eine Gänsehaut machten sich schon wieder in mir breit. Dieses Gefühl bekam ich nur, wenn ich beobachtet wurde. 
Ich sah auch nach einer kleinen Drehung Malcrom inmitten seiner Fanschar stehen sehen und wie er mich fixierte.
Fassungslos starrte ich ihn an, bis mein Unglaube in Wut umschwang. Wenn Blicke töten könnten. Was bildete sich der Lackaffe eigentlich ein. Ich war ebenso ein begabter Schüler wie er, und ich würde mich weder vor ihm noch sonst irgendjemanden verstecken. Ich drehte mich um und ließ dieses unangenehme Gefühl zurück, um mich meiner Suche zu widmen. Beim Tisch der Frowlys wurde ich fündig.  Pirtys Eltern und meine waren gerade in ein Gespräch, verwickelt
„Ahhhh, hallo Liebes. Wir haben dich schon gesucht.“, sprach meine Mum. „Dein Vater sagt du wolltest nachhause?“
„Ja Mum, ich hab Kopfweh und würde mich sehr gerne hinlegen.“ Mit gerunzelter Stirn sah ich sie an und hielt mir den Kopf.
„Wenn es schlimm ist, dann nutzte doch eines der Hinterzimmer, die von der Schule für Übernachtungen bereitgestellt werden. So kannst du später ganz entspannt mit deinen Eltern die Heimreise antreten. “
Ich schaute Mrs. Frowly an,  als ob ihr gerade Hörner gewachsen wären.  Dieser Blick entging auch meiner Mutter nicht. ,,Nein,  ich denke, in ihrem eigenen Bett fühlt sie sich wohler."
„Wie sagte meine Oma schon immer, daheim kuriert es sich am besten." Ein tiefer Seufzer entwich mir und ich war froh endlich wegzukommen.
Kaum in den Gleiter gestiegen. War ich erleichtert, als wir das Event hinter uns ließen und entspannte mich. Ich wich den fragenden Blicken meiner Mutter aus, die sie mir schon seit unserem Rückweg immer wieder zuwarf. 
Zum Glück sagte keiner etwas und die Heimfahrt verlief ruhig.
Ich verabschiedete mich ins Bett und schob weiterhin meine Kopfschmerzen vor.
Nach einer halben Stunde hörte ich Schritt. Ich kannte meine Mum nur zu gut.
„Zi, mein Stern, wie geht es dir?“ 
Meine Mum nannte mich gerne Zi, wie der Stern. Ich schaute zu ihr auf.  
„Schon besser?“
 „Die Wärme tut mir gut. Ich glaube ich war etwas zu nervös.“ 
„Ja, mein Schatz, dass glaube ich auch und es war doch schön."
Ich spielte das Spiel mit und lächelte sie an. „Ja klar, Pirty ist eine ganz Liebe und wir haben Telefonnummern ausgetauscht. Ich denke, dass ich mich auf den Montag sogar schon freue."
Erleichtert atmete meine Mutter aus. „Da bin ich aber froh.  Du weißt selbst, dass es ohne Freunde eine lange Zeit sein kann und glaube mir, Pirtys Familie ist sehr nett und hilfsbereit." Sie gab mir einen Kuss auf die Stirn und verließ das Zimmer. 
Ich dachte mir schon, dass meine Mutter mit einer Antwort zufrieden wäre und grübelte noch eine Weile über den Abend nach. Zwischen den vielen Fragen, mogelte sich immer wieder ein Bild von Malcrom in meine wirren Gedanken hinein und ließ mein Herz schneller schlagen. Nur das Warum, blieb mir verwehrt.

 

 

 

 

 

Prinz Malcrom von Kiaronton

Diese Augen, die zu der Auserwählten gehörten, ließen mich nicht mehr los. Ausgerechnet sie sollte der Untergang von Xan sein. Ziara. Die Frau mit dem roten Haar und den stolzen, grünen Augen, die sich förmlich in mein Innerstes brannten.
Als ich sie erblickte, wusste ich wer da vor mir stand, aber mein Zorn brach.
Ich wollte mir nicht sicher sein, dass tatsächlich sie es war. Zu sehr fühlte ich mich von ihr angezogen.
„Prinz Malcrom, ich freu mich schon auf Montag. Sagt, welche Fächer habt ihr belegt?“
Ich schaute in die Rehbraunen Augen einer Blondine, samt ihres 1000 Watt Lächelns.
Ich räusperte mich, denn ich musste erst meiner Pflicht nachkommen höfliche Konversation zu betreiben und abwarten was mich am Montag erwarten würde. Bis dahin konnte ich mir einen Plan zurechtlegen.
Wenn ich mehr über Ziara erfahren würde, könnte ich eine Entscheidung treffen. Solange hieß es ruhig bleiben, also wandte ich mich an meine Zuhörerinnen.
„Das werde ich nicht preisgeben. Schließlich möchte ich nicht für Aufruhr sorgen. Aber sei dir gewiss, wir werden uns bestimmt in dem einen- oder anderen Kurs über den Weg laufen.“
Wie gebannt starrten mich Legria  und ihre Freundinnen an.
In dem Moment, und natürlich rein zufällig, tauchte Stevox auf, der mich an wichtige Termine erinnerte.
Froh darüber verabschiedete ich mich mit einer eleganten Verneigung.
„Zum Glück bist du da, die sind ja wie die Geier.“
„Ja mein Prinz“,  Grinste Stevox verschlagen. „Ich dachte mir schon dass du Hilfe gebrauchen könntest.“
„Jetzt rede keinen Unsinn. Ich weiß ja, dass ich immer auf deine Hilfe zählen kann, schließlich sind wir Waffenbrüder.“
„Ja ich weiß, aber manches Mal wäre ich froh, wenn ich deinen Ruf bei Frauen hätte.“
„Welchen Ruf meinst du, bitte?“ Ich zog die Augenbraune nach oben. „Der, ein Prinz zu sein?“ Ich wackelte mit meinen Augenbrauen und Stevox musste unwillkürlich lachen. 
Keiner interessiert sich für dass, was hinter der Fassade schlummert? Aber ich bin mir sicher, dass irgendwann sich eine für würdig erweisen wird.“
„Welch schwülstige Worte, mein Freund.“
Ich klopfte Stevox auf die Schulter. Er war nicht älter als ich, nur belesener. Doch Intelligenz schien die Damenwelt nicht wirklich zu interessieren. Ihm fehlt schlichtweg  der Titel und das Ansehen. In sahen viele nur als meinen persönlichen Diener.
Seine Familie war schon seit Jahren im Dienst meiner Familie und wir waren gemeinsam aufgewachsen.
Ich sah in Stevox einen Freund und nicht einen Diener. Zudem würde er mit mir ja ab Montag auf die neue Schule gehen.


Gemeinsam gesellten wir uns zum Direktor der neuen Schule.  Ich hatte einen Plan, in dem der Direktor keine unwesentliche Rolle spielte.

 

Ziara

Nach dem Abend erwachte ich gerädert. Meine Träume ließen mich immer wieder hochschrecken. Planeten versanken in ihnen und lösten sich im Nichts auf. Hilflose Schreie meiner Liebsten gellten durch die Nacht. Nur Malcrom streckte mir seine Hand entgegen, um mich aus der Finsternis zu retten, die alles verschlang. Ich war verwirrt, weshalb ausgerechnet der Prinz darin auftauchte und meine Laune im Keller.
Geschlaucht und vor mich hin gähnend ging ich in die Küche und fand eine Notiz von meinen Eltern, die wie jeden Sonntagmorgen auf Entdeckungstour waren. Ich schlurfte zum Kaffeeautomaten, um erst einmal wach zu werden. Das war mein persönlicher Muntermacher. Mit einem Joghurt, in der einen Hand und dem Kaffee in der anderen, machte ich es mir vorm Fernseher bequem und zappte durch die Kanäle. Wie erwartet liefen entweder Serien, oder die verschiedenen Xan- Infokanäle, die man eindeutig verbessert hatte. Das heutige Leben auf Xan war aufgeklärt und gläsern, weil man die Bevölkerung mit einbezog. Über die Vergangenheit sprach man nicht, ging es mir durch den Kopf. Ich erinnerte mich an die Versieglung von unserem Planeten, in der ein spezielles, von den Wissenschaftlern entwickeltes Gas in die Luft befördert wurde, das aber keinerlei Auswirkungen auf das Leben hatte, aber sehr wohl die Oberfläche zum Schutz der Bewohner wieder verschließen würde.  Vor mich hin grübelnd, ließ ich mich nach dem Frühstück dazu hinreißen, nach meinem Lieblingsbuch zu greifen.
Seit meiner Jugend fand ich die Thematik rund um die anderen Planeten faszinierend, besonders die literarischen Werke der Erde. Eines meiner liebsten Bücher war deshalb „Stolz und Vorurteil“ von Jane Austen. Ich war begeistert von dieser Frau, die in dieser Zeitepoche solch eine bemerkenswerte Geschichte geschrieben hatte. Ich schüttelte den Kopf. Mr. Darcy hatte etwas Faszinierendes und erinnerte mich an Malcrom. Genervt und mit den Augen rollend, schloss ich das Buch und befand, dass vielleicht Shakespeare eine bessere Idee gewesen wäre.

Der Sonntag verlief schleppend und ich wurde immer unruhiger, versuchte mir aber zum Abendessen nichts anmerken zu lassen. Ich  war schon nachmittags damit beschäftigt zu überlegen, was ich an meinem ersten Tag anziehen sollte.
Ich entschied mich für einen schwarzen Pulli und dazu meine blauen Lieblingsjeans.  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein unmoralischer Deal